Do, 16. August 2018

Besuch in Olmütz

19.12.2016 09:47

Ein Hauch von Historie ...

Im tschechischen Olmütz waren nicht nur die Habsburger zu Hause. Mozart, Radetzky, Sigmund Freud, Beethoven, Alma Mahler oder Marie von Ebner-Eschenbach haben in der Stadt an der March ebenfalls Spuren hinterlassen. Und den Quargel gibt’s hier auch noch immer.

Kleines Quiz unter Bekannten: "Wo wurde Franz Joseph zum Kaiser?" Hofburg, Schönbrunn, Budapest - lauten die häufigsten Antworten. Nein, in Olmütz nämlich war’s, wo Franz Joseph am 2. Dezember 1848 von seinem Onkel Ferdinand den Kaisertitel übernahm - er wurde inthronisiert - angeblich mit den Worten "Es ist gern geschehen".

Gespenst drohte Kaiser Ferdinand
Allerdings sollte dieser historische Akt von einem Gespenst unterstützt worden sein. Denn - so die Mär - ein als Geist verkleideter Kammerdiener sei in der Nacht vor der Abdankung vor Ferdinands Bett (er galt als extrem ängstlich) erschienen. Mit den Worten: "Nandl, du musst morgen abdanken! Sonst stirbst!"

Zurück aus dem Exil
Der Rest ist Geschichte. Die Habsburger konnten nach Niederschlagung der Revolution dann nach Monaten im "heimatlichen Exil" endlich nach Wien zurückkehren. Einen Hauch der Historie dürfen auch wir einatmen, als wir dieser Tage durch das Erzbischöfliche Palais in Olmütz wandern.

Hier hatte schon eine andere Habsburgerin einst ihre Spuren hinterlassen. Kaiserin Maria Theresia weilte immer wieder in Olmütz. Wollte sich einmal von Kardinal Troyer die Prunkkutsche leihen. Dieser Wunsch wurde ihr verweigert. Was die pragmatische Herrscherin unkommentiert zur Kenntnis nahm. Um dem Gottes-Fürsten wenige Jahre später die sprichwörtliche "Retour-Kutschn" zu präsentieren. Genau vor seinem prachtvollen Palais ließ sie das schmucklose Zeughaus errichten. (Die Prunk-Kutsche ist übrigens im "Amadeus"-Video von Falco verewigt.)

Auch Mozart komponierte hier
1819 wurde dann Rudolf Johann von Habsburg Erzbischof von Olmütz. Einer seiner besten Freunde - Ludwig van Beethoven - hat für ihn die "Missa Solemnis" komponiert. In Olmütz komponiert hat auch Wolfgang Amadeus Mozart, der im Alter von 11 Jahren mit seiner Familie zwei Monate hier weilte. Man war vor einer Pockenepidemie geflohen.

Altstadt war zweisprachig
Wir wandern weiter - durch die wirklich sehenswerte Altstadt, die grob in zwei Teile geordnet ist. Den Ober- und den Unterring. "Der Oberring war schon immer das Schaufenster der Stadt." Weiß Historiker Oldrich Brenek. Nachsatz: Dort durfte nur Deutsch gesprochen werden. Am Unterring auch Tschechisch. Die Zweisprachigkeit in der ehemaligen Garnisonsstadt, in der bis zu 5000 Soldaten stationiert waren, zog sich durch alle Gesellschaftsschichten. "Sogar im Bordell mussten die Damen beide Sprachen perfekt beherrschen", erzählt unter Schmunzeln unser Fremdenführer.

Wir kommen zur Dreifaltigkeitssäule. 32 Meter ist sie hoch - und zählt zum UNESCO-Kulturerbe. Weiter geht’s zur Moritzkirche. Kostbares Bauwerk der Spätgotik, wo sich auch die größte Orgel von Tschechien befindet. Sie besteht aus 8000 Pfeifen, die kleinsten sind 5 Zentimeter, die größte 12 Meter lang.

Wir erfahren auch, dass zahlreiche Persönlichkeiten immer wieder nach Olmütz gekommen sind. So war etwa Radetzky hier Stadtkommandant. Gustav Mahler als Dirigent an der deutschen Oper tätig. Damals Vegetarier, orderte er gerne pro Tag 2 Äpfel, Spinat und Wasser. Sigmund Freud wurde hier geboren, Bruno Kreisky besuchte seine Verwandten in Olmütz, Marie von Ebner-Eschenbach hinterließ Spuren. Gustav Klimt ging in der Jugendstil-Villa der Bankiersfamilie Otto und Eugenie Primavesi ebenso ein und aus wie Anton Hanak oder Josef Hoffmann.

Doch jetzt genug Geschichte. Olmütz wird nämlich auch mit etwas ganz anderem assoziiert. Mit dem Quargel. Diesem nähern wir uns jetzt auf höchst außergewöhnliche Weise - bei dem Besuch einer "Konditorei" - die auf Quargel spezialisiert ist.

Schaumrollen aus Quargel
Schaumrollen, Tortenstücke, Rouladen, Cremeschnitten - alles aus Quargel. Da staunen Augen und Gaumen! Obwohl süß "verkleidet", kommt der Käse geschmacklich durchaus deftig daher. Nachgespült mit einem mährischen Bier, das ebenfalls als Wahrzeichen für die 100.000 Einwohner zählende Stadt zu der sich noch etwa 20.000 Studenten gesellen gilt. Rasch ist es Abend geworden, bei unserem kurzweiligen Besuch in Olmütz - einer Stadt, in der große Geschichte - nicht nur auf den Spuren der Habsburger - immer noch spürbar ist.

INFO
ALLGEMEINE AUSKÜNFTE: Tschechische Zentrale für Tourismus, 01/8920299, www.czechtourism.com
ANGEBOT: Bahnfahrt 2. Klasse ab/bis Wien nach Olmütz, 1 Nächtigung inkl. Frühstücksbuffet im Hotel Trinity**** im Stadtzentrum, Bustransfer Bahnhof-Hotel-Bahnhof, geführter Stadtrundgang durch die historische Altstadt, Besuch der Ausstellung "Franz Joseph I.", Reiseleitung ab/bis Wien, Preis pro Person im DZ 129 € (EZ 159 €). Mehr Infos und Buchung: 01/89930-2 oder unter gruppenreisen@railtours.oebb.at
Termine: 28.-29. 1. + 11.-12. 2. 2017

Ingrid Altermann, Kronen Zeitung

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