Di, 17. Juli 2018

05.10.2006 16:20

Große Koalition?

Das freie Wort

Alle Meinungsforscher hatten vorausgesagt, dass bei der Nationalratswahl die ÖVP stimmenstärkste Partei wird. Haben sie versagt? Wenn man im Internet die Entwicklung aufmerksam mitverfolgte, konnte man allerdings bemerken, dass der Vorsprung Schüssels knapp vor der Wahl zusehends kleiner wurde. Ausschlaggebend war schließlich die kaum vorhersehbare niedrige Wahlbeteiligung.

Was hielt potenzielle ÖVP-Wähler von den Urnen fern? Das schöne Ausflugwetter spielte gewiss eine Rolle, ist aber keine ausreichende Erklärung. Ich vermute, dass der Besuch des früheren Bundesparteiobmannes Taus bei Elsner eine Ursache für den Stimmungsumschwung war. Obwohl Taus seit Jahrzehnten keine Parteifunktion bekleidet, wurde der ÖVP daraufhin unterstellt, ebenfalls keine ausreichende Distanz zu den kriminellen BAWAG-Machenschaften zu haben.

Die ÖVP-Werbestrategen haben außerdem nicht bedacht, dass sich die politikfernen parteiungebundenen Wähler weniger vom Verstand, sondern hauptsächlich vom Gefühl leiten lassen. Es fehlten im Vergleich zu anderen Parteien die emotionalen Botschaften. Vor allem Strache hatte damit Erfolg und überholte im Endspurt die vergleichsweise seriös agierenden Grünen. Gusenbauer gab sich staatsmännisch. Damit gelang es ihm, obwohl die SPÖ gegenüber dem katastrophalen Ergebnis 2002 weitere Einbußen hinnehmen musste, die Verluste in Grenzen zu halten und sogar in einen "Sieg" umzumünzen. Die ÖVP musste dagegen einen hohen Anteil der 2002 gewonnenen Stimmen an die beiden freiheitlichen Parteien zurückgeben.

Es gibt Anzeichen, dass die große Koalition schon vor der Wahl vereinbart wurde. Ob sie erfolgreicher agiert als jene in Deutschland, wird sich herausstellen. Dies ist unsicher, aber im Interesse Österreichs zu hoffen.




Hubert Braunreiter, Klaus
erschienen am Fr, 6.10.

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