So, 24. Juni 2018

02.10.2006 16:20

Die Nichtwähler sind drittstärkste "Partei"

Das freie Wort

Gäbe es eine "Partei der Nichtwähler" ("PdN"), wäre sie bei dieser Wahl an dritter Stelle gelandet. Darüber kann auch der Gusi-Jubel, die Wolfgang-Trauer, der Strache- und Van-der-Bellen-Erfolg sowie das "Masel" der Orangen bei dieser Wahl nicht hinwegtäuschen: Ein beachtlicher Teil der Wahlberechtigten ist - wie man bei uns sagt - von der Politik "angefressen". Lediglich 75% österreichweit und gar nur 65% Wahlbeteiligung in Wien scheinen aber die Politiker in ihrem Siegestaumel - oder in ihrem Wehklagen - kaum zu beeinflussen. Etwa so viele Bürger wie für Blau, Grün und Orange zusammen gestimmt haben, "wählten" die "Partei der Nichtwähler". Bis zu einem Drittel der wahlberechtigten Bürger hat damit so quasi den Hut auf die Wahlurne gehaut, anstatt einen Stimmzettel einzuwerfen.

Jetzt hätten SPÖ und ÖVP die Chancen zu zeigen, dass es ihnen wirklich nur um das Wohlergehen des Landes und seiner Bürger und nicht allein um Ministersessel geht, indem sie sich möglichst rasch und kompromissbereit auf die derzeit einzig vernünftige Regierungsform einer großen Koalition einigen. Dann könnten sie vielleicht auch die Nichtwähler davon überzeugen, dass es immer noch besser ist, eine Wahl zwischen verschiedenen Parteien zu haben, als von einer Diktatur gegängelt zu werden.




Franz Weinpolter, Wien
erschienen am Di, 3.10.

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