So, 16. Dezember 2018

Gebühren erschlichen

21.10.2016 14:14

Polizeidolmetscherin unter Betrugsverdacht

Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen eine Polizeidolmetscherin, die von den Sicherheitsbehörden als Übersetzerin für die persischen Sprachen Dari und Farsi eingesetzt wurde. Sie spielte auch im Schlepper-Prozess gegen Aktivisten aus dem Umkreis der Votivkirchen-Bewegung eine tragende Rolle, der im Dezember 2014 in Wiener Neustadt in erster Instanz zu Ende gegangen ist.

Gegen die aus Afghanistan stammende Frau steht im Zusammenhang mit von ihr verrechneten Übersetzungstätigkeiten in Asylansuchen der Vorwurf des schweren gewerbsmäßigen Betrugs im Raum, so Thomas Vecsey, der Sprecher der Wiener Anklagebehörde, am Freitag. Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl, aber auch andere Behörden hatten immer wieder auf die Dolmetscherin zurückgegriffen, die in der Bundeshauptstadt ein Übersetzungsbüro betreibt. Eine offizielle Dolmetscher-Ausbildung soll sie dem Vernehmen nach nicht haben.

Gebühren erschlichen
Die Frau steht im Verdacht, sich bei der Erstbefragung von afghanischen und iranischen Asylwerbern höhere Gebühren erschlichen zu haben, indem sie fälschlicherweise vorgab, diese seien Analphabeten. Das hatte umfassenderes, in Wahrheit aber gar nicht notwendiges Übersetzen zur Folge, was sich die Frau - so die Verdachtslage - in angeblich betrügerischer Absicht abgelten ließ. Damit soll sie die Republik Österreich geschädigt haben, die ihr nach derzeitigem Ermittlungsstand jedenfalls mehr als 5000 Euro zu Unrecht ausbezahlt haben soll. Für die junge Afghanin gilt die Unschuldsvermutung.

Im Auftrag der Staatsanwaltschaft vernimmt das Wiener Landeskriminalamt derzeit in dieser Sache laufend afghanische Asylwerber als Zeugen. Einige von ihnen soll die Dolmetscherin bei ihrer Vernehmung möglicherweise auch beeinflusst haben. Es gibt vorerst allerdings keine Hinweise, dass sie die Asylsuchenden zu falschen Angaben angestiftet haben könnte, so Vecsey.

Wesentliche Telefonate übersetzt
Die Dolmetscherin hatte erstmals im schlagzeilenträchtigen Schlepper-Prozess gegen Asyl-Aktivisten in Wiener Neustadt für mediales Aufsehen gesorgt: Sie war eine von vier Dolmetschern, die über Monate hinweg von der Polizei abgehörte Telefonate der Angeklagten übersetzten. Die 10.000 Telefonüberwachungsprotokolle bildeten das Gerüst der Anklage gegen acht Männer aus Pakistan, Afghanistan und Indien. Sieben von ihnen wurden am Ende wegen Schlepperei zu teilbedingten Haftstrafen zwischen sieben und 28 Monaten verurteilt, weil sie unter anderem Landsleuten die Weiterfahrt durch Österreich organisiert hatten.

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Reaktionen nach Sturz
Die Ski-Welt leidet mit verunglücktem Gisin
Wintersport
Harald Lechner
Derby-Schiri: Dreimal Gelb-Rot für Grün-Weiß
Fußball National
„Krone“-Spendenaktion
Wärme als Inbegriff für Sehnsucht!
Österreich
Advent im Schwarzwald
Ravennaschlucht: Idylle im Wintermärchen
Reisen & Urlaub
Sein Treffer im Video
5000. Tor! Ronaldo wird zum Matchwinner für Juve
Fußball International
Austria gegen Rapid
Derby: Verlieren verboten - sonst herrscht Panik
Fußball National
Annemarie Moser-Pröll:
„Hirscher überholt mich noch vor Weihnachten“
Wintersport

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.