Ubu-Premiere

Petersilien-Gemetzel

Auf den ersten Blick ist alles Schwarz-Weiß: Weiß und ausgeräumt die Bühne, in schwarzen Anzügen stecken die Menschen. Das einzig bunte ist das Gemüse. Und das allererste Wort, das gesprochen wird, ist „Scheiße“: In den Linzer Kammerspielen ist es Zeit für Alfred Jarrys skurrile Diktatoren-Parodie „König Ubu“.

Dieses absurde Stück, ein bisschen Dada-Kasperl-Theater und durchaus sozialkritisch, hat 110 (!) Jahre am Buckel. Und kommt doch so unverbraucht und wahnwitzig daher. Mutter Ubu stiftet also ihren Gatten Vater Ubu an, den König von Polen abzumurksen und sich selbst auf den Thron zu setzen. Und ehe man sich´s versieht, wird aus dem faulen, feigen Dragonerhauptmann ein marodierender, todbringender, skrupelloser Steuererfinder.

Regisseur Marc Becker verschränkt die Pranken von Komik und Tragik zu einem kurzweiligen Schau-Spiel: Es gibt viel zu schauen und es wird eifrig gespielt. Zum Beispiel mit Gemüse: Vom Petersiliengemetzel bis zum berittenen Karottenregiment ist nichts unmöglich! Vier tolle Darsteller tummeln sich zwischen all dem Grünzeug: Ljubisa Lupo Grujcic als stinkiger, raffgieriger Königs-Kobold; Eva-Maria Aichner als unermüdlich winkende Königin, Gunda Schanderer und Georg Bonn jonglieren zwischen Zar und Gemüse. Übrigens: Das Schlussbild sollten Sie gesehen haben…

 

 

Foto: Brachwitz

Sonntag, 09. Mai 2021
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