Mo, 20. August 2018

10. Oktober

09.10.2016 18:29

Einst umkämpftes Land feiert friedliche Zukunft

"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." Was der Gelehrte Wilhelm von Humboldt vor rund 200 Jahren formulierte, gilt auch für das Gedenken an den 10. Oktober 1920. Wir Kärntner können mit dem Wissen um Abwehrkampf und Volksabstimmung in eine friedliche, fröhliche, erfolgreiche Zukunft gehen.

"Wo Mannesmut und Frauentreu’ die Heimat sich erstritt aufs neu’" Zehn Jahre nach der Volksabstimmung hat Agnes Millonig dem 1822 geschriebenen Kärntner Heimatlied eine neue vierte Strophe - die ursprüngliche letzte Strophe bezog sich auf das Kaiserhaus: "Und segnend strecket Franzens Hand sich über dich, mein Vaterland!" und war nach dem 1. Weltkrieg unbrauchbar - hinzugefügt, um den Abwehrkampf in der Hymne zu thematisieren. Dieser Kampf mündete in eine Volksabstimmung, die sich am heutigen 10. Oktober zum 96. Mal jährt.

Als sich die Monarchie 1918 endgültig auflöst, ist klar, dass die Selbstständigkeit der Tschechoslowaken und der Südslawen anerkannt werden muss. In seiner vorletzten Sitzung erklärt der kaiserliche Landesausschuss in Kärnten: "Da die Slowenen in Kärnten nicht in geschlossenen Siedlungen leben und das Land im Süden durch die Gebirgskämme seine natürliche Grenze findet", sei Kärnten unteilbar. Der SHS-Staat will aber die Serben, Kroaten und Slowenen "auf ihrem gesamten ethnographischen Territorium, ohne Rücksicht auf Landes- oder Staatsgrenzen" vereinigen.

Die ohnedies durch den Krieg nicht allzu rosige Lage verschlechtert sich durch den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung, Lebensmittel sind knapp, rückkehrende Truppen müssen versorgt werden. Nicht selten kommt es zu Plünderungen. Zu all dem Chaos kommen ab Winter 1918 noch die südslawischen Truppen. In Bleiburg und Ferlach werden slowenische Volksräte gebildet, Unterdrauburg und andere Orte werden besetzt.

In harten Verhandlungen - ein neuerlicher militärischer Konflikt drohte - wird am 23. November eine Demarkationslinie festgelegt: Alles, was südlich der Linie liegt, die von der Einmündung der Gailitz in die Gail, entlang der Drau bis Pirk bei Völkermarkt verläuft, soll vorläufig von den Jugoslawen verwaltet werden. Erfolglose Verhandlungen und weitere Besetzungen folgen. Ludwig Hülgerth stellt Truppen zusammen.

Bis 6. Juni 1919 - an dem Tag marschieren Jugoslawen in Klagenfurt ein - dauert der Kärntner Abwehrkampf. Er fordert 273 Tote, davon 19 Frauen, und mehr als 800 Verwundete.

Während in Kärnten die Waffen sprechen, wird in Paris in einer Friedenskonferenz über die Neugestaltung Europas verhandelt. Dort wird entschieden: Das Klagenfurter Becken wird in zwei Zonen geteilt. Die südliche Zone A soll die Belgrader Regierung, die nördliche Zone B die deutsch-österreichische Regierung übernehmen - beide unter der Aufsicht des Völkerbundes. Nach einer bestimmten Frist soll es in Zone A eine Abstimmung über den Verbleib beim SHS-Staat geben. Das Mießtal, die Gemeinde Seeland, das Gebiet um Unterdrauburg fallen ohne Abstimmung an Jugoslawien, das Kanaltal und Weißenfels werden im Friedensvertrag von St. Germain Italien zugesprochen.

Vom  Sommer 1919 bis zum 10. Oktober 1920, dem Tag der Volksabstimmung, wird von beiden Seiten heftig Propaganda betrieben.

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