Bürowahnsinn

Spitalsärzten bleibt keine Zeit für Patienten

„Der Bürowahnsinn grassiert!“ Oberösterreichs teuerste Schreibkräfte sind Spitalsärzte, die Alarm schlagen: „Wenn unser Verwaltungsaufwand weiter so steigt, haben wir bald keine Zeit mehr für Patienten und Operationen“, verlangt nun ihr Schärdinger Personalvertreter Dr. Harald Mayer medizinische Dokumentationsassistenten, die das Gesundheitssystem kurieren.

Zahlen dokumentieren die Sorgen und den Stress der Primarii: Früher haben 22 Beamte die elf Landesspitäler verwaltet, jetzt sitzen in der Gespag 60 Bürokraten, die sich von 1171 Ärzten mit Daten, Formularen und Mails füttern lassen. Das zentrale Management und das Controlling wuchsen in den jüngsten drei Jahren um 15 Prozent, die Posten der Mediziner nur um neun Prozent.

„Das verteuert und verschlechtert unser Gesundheitswesen bedrohlich“, klagt ein Mühlviertler Primar: „Hochbezahlte Bürokratie-Akademiker begraben die Ärzteschaft unter dem Deckmantel der Qualitätssicherung mit Papierbergen, die keiner liest.“

„Wenn ein Primar mit zwei Fingern Zahlen und Berichte in seinen PC tippt, ist das keine hochqualifizierte ärztliche Tätigkeit“, meint der Schärdinger Mediziner Mayer, der 22.000 angestellte Spitalsärzte Österreichs vertritt: Mehr als die Hälfte seiner Kollegen überschreiten regelmäßig ihr gesetzliches 72-stündiges Wochenmaximum an Arbeitszeit, 14 Prozent sind sogar 100 Stunden pro Woche im OP oder am Krankenbett. Doch die Zeit für den Patienten schrumpft bedenklich: 53 Prozent der Ärzte klagen laut IFES über den Druck der überbordenden Bürokratie, vor sechs Jahren kannten erst 42 Prozent diesen Schreibstress.

 

 

 

Foto: Markus Wenzel

Donnerstag, 17. Juni 2021
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