Cleveland Orchestra

Voll Wollust und Lebensfreude

Das Cleveland Orchestra begann unter „Lokalmatador“ Franz Welser-Möst das erste Konzert seines Gastspieles beim Linzer Brucknerfest mit Mozarts „Prager Symphonie“ KV 504, einer kammermusikalisch schlanken Darbietung in natürlich anmutigem Bewegungsspiel. Zum Schluss regnete es Ovationen!

Es tat richtig wohl, einmal darmsaitige, naturtrompetenhafte, holzschlegelige, vibratokarge Elemente nicht in den Vordergrund gestellt zu bekommen, sondern eine aus dem unbeschreiblich lebendig gestalteten Pulsschlag der Musik geformte Klangkultur erleben zu dürfen. Und aus der minutiös disponierten Dynamik die geniale Logik der musikalischen Architektur klar zu erkennen. Geradewegs zur Wollust geriet es, in den vor Lebensfreude aufschäumenden Finalsatz mit eintauchen zu können.

„Orion“, ein dreisätziges, für Orchester in Mega-Besetzung konzipiertes Werk der 1952 geborenen finnischen Komponistin Kaija Saariaho, empfindet man als dicht geflochtenes, geheimnisvoll irrlichterndes Klanggewebe, dessen subkutan rumorende Kräfte fallweise beträchtliche Eruptionen auslösen: Die kraftstrotzende Schlusspassage mit ihren instrumentalsportlichen Extras signalisiert gesunden Spieltrieb und diesseitige Bodenhaftung der begabten Komponistin.

Als Schlussstück im ausverkauften Linzer Brucknerhaus brachten die entfesselten „Clevelander“ schließlich Debussys „La Mer“ und als Zugabe eine in vergnüglich exzessive Bravour gesteigerte „Fledermaus“-Ouvertüre.

 

 

Foto: Herzenberger

Sonntag, 16. Mai 2021
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