Do, 16. August 2018

Nach Amoklauf

26.07.2016 08:52

Psychiater fordern Verbot von "Killerspielen"

Im Verruf stehen sie bei Politikern seit langem, jetzt hat der Amoklauf des 18-Jährigen Ali David S. in München die Debatte um gewalttätige Computer- und Videospiele erneut angefacht. Nachdem Deutschlands Innenminister Thomas de Maiziere bereits am Samstag betont hatte, dass Gewaltspiele bei der Tat eine Rolle gespielt hätten, sprachen sich die Jugendpsychiaterin Gabriele Wörgötter und der Psychiater Reinhard Haller am Montag im ORF-Ö1-"Mittagsjournal" für ein Verbot von Ballerspielen aus.

Unklarheit herrscht allerdings schon darüber, wer im Fall des Falles ein komplettes Verbot von Gewaltspielen initiieren könnte oder müsste. Aus dem Konsumentenschutzministerium heißt es, man wäre nur dann zuständig, wenn die Gefahr von einem konkreten Produkt ausginge. Das Jugend- und Familienministerium indes betont, nur in Sachen Jugendschutz zuständig zu sein und keine juristische Handhabe zu haben, weil Jugendschutzgesetze Ländersache seien.

Ohnehin, betont man im Ministerium, habe man aus mehreren Gründen einen umgekehrten Weg eingeschlagen: statt Verbot Positivprädikate. So könnten Verbote leicht umgangen werden, über Internet und Tauschbörsen etwa. Auch Haller räumte im "Mittagsjournal" ein, dass es wohl unmöglich sei, den Kauf von Gewaltspielen komplett zu verhindern. Der Verband der österreichischen Internetprovider, ISPA, schließt sich dieser Meinung an: Man könne nur den Verkauf verbieten. Ein Hindernis, an solche Spiele zu kommen, würde dies aber nicht wirklich darstellen, so eine Sprecherin.

"Kein Beweis für Schädlichkeit"
Im Familienministerium ist man jedoch noch aus einem anderen Grund gegen ein Verbot. Schließlich gebe es - zumindest derzeit noch - keinen wissenschaftlich abgesicherten Nachweis über die Schädlichkeit von Computerspielen, sondern nur Untersuchungen über Kurzzeiteffekte, die laut Ministerium meist methodisch zweifelhaft seien und nicht schlüssig zu interpretieren wären. Ein Verbot sei rechtlich derzeit nicht zu rechtfertigen. Schließlich würde die Benennung von positiven Spielen unerwünschte Werbung für Negativbeispiele erübrigen.

Was ist erlaubt und was nicht?
Der ISPA zufolge wäre im Endeffekt bei einem Verbot auch die Frage, wer entscheidet, welches Spiel auf eine allfällige Verbotsliste kommt. Die Interessensvertretung sprach sich massiv dagegen aus, dass zum Beispiel die Provider "in eine Richterrolle" gedrängt werden. "Wir unterstützen illegale Inhalte nicht, sehen uns aber nicht in der Lage zu entscheiden, was illegale Inhalte sind", sagte die ISPA-Sprecherin. Nicht zuletzt stelle sich auch die Frage, wer wie kontrollieren soll, ob sich jemand illegale Spiele herunterlädt und diese dann spielt. "Darf derjenige in den Computer des Betreffenden hineinschauen? Wollen wir das?", fragte die Sprecherin.

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