21.07.2016 16:07 |

Urteil nächste Woche

Spendenbetrug im großen Stil in Graz vor Gericht

Kein Zweck, keine Belege, dafür topprofessionelles Equipment - ein Spendenbetrug im großen Stil wird seit gestern am Straflandesgericht in Graz verhandelt. Drei Sammler und das mutmaßliche Mastermind haben vermeintlich für bedürftige Menschen in Österreich einkassiert. Der angeklagte Schaden beträgt 116.000 Euro!

"Leute wurden zu Spenden animiert, die selber nichts hatten", betont Staatsanwalt Stefan Pirker. Mehrere Vereine seien gegründet und immer unter einem anderen Vorwand gesammelt worden. "Mit Uniformen und professionellen Ordnern." Irgendwann seien die Leute aber stutzig geworden. Der Haupttäter, ein mehrfach wegen Betrug vorbestrafter Kärntner (40) - setzte sich ab, "hat aber trotz Fahndung weiter gemacht!"

Verteidiger Christoph Rappold spricht von unternehmerischer Misswirtschaft und Bananenschachtel-Buchhaltung. "Für Bereicherung war da gar kein Platz, die Mitarbeiter mussten bezahlt werden." Und die (teils mitangeklagten) Werber haben richtig gut verdient. 1600 Euro, 30 bis 50 % Provision dazu Unterkunft und Kilometergeld.

"Die hohen Fixkosten waren kein Grund aufzuhören?", fragt Richterin Angelika Hacker. "Nein, ich dachte, es wird besser", erklärt der 40-Jährige. "Haben Sie wirklich geglaubt, es spendet wer einen Euro, wenn er nicht weiß wofür!?" Immerhin behauptete der Oberspendensammler zwar für krebskranke Kinder und Behinderte zu sammeln, konkret gab es aber nichts. Was er kleinlaut eingestand.

Angeklagt sind 116.000 € Schaden, inkludiert nicht gezahlte Hotelrechnungen und Mietautos. Der Prozess ist für vier Tage anberaumt.

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