06.09.2006 07:24 |

"Vorwahlgeplänkel"

TV-Duell zwischen van der Bellen und Grasser

Konsens beim Thema Pflegegeld und Dissens in Steuer- und Bildungsfragen kennzeichnete das erste der TV-Duelle zwischen Grünenchef Alexander van der Bellen und ÖVP-Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Dieser warf den Grünen vor, dass sie eine Steuerbelastungspartei wären. Van der Bellen betonte hingegen, er könne keine großen Steuersenkungen versprechen, wichtig seien Investitionen in die Bildung.

Was Koalitionsspekulationen betrifft sagte Van der Bellen auf eine Frage Grassers, ob die Grünen eine Regierung mit der SPÖ auch dann präferieren würden, wenn die Sozialdemokraten Zweite würden: "Wenn die ÖVP Zweite wird, kann man auch Schwarz-Grün machen, es kommt auf die Inhalte an". Für beide würde eine mögliche Koalition von den jeweiligen Zielen und Inhalten abhängen.

Van der Bellen erinnerte Grasser daran, ein Zögling des ehemaligen FPÖ-Chefs Haider gewesen zu sein. Der Finanzminister korrigierte, dass er nicht der Landeshauptmannstellvertreter von Haider, sondern von Kärnten gewesen sei. Nun sei er unabhängig und Mitglied im Kompetenzteam von Schüssel, was ein Zeichen der Offenheit der ÖVP sei.

Grasser lobt österreichischen Weg
Grasser bekräftigte vor allem die gute Position Österreichs und nannte zahlreiche Eckdaten. International sei der österreichische Weg gelobt worden, es gebe eine zurückgehende Arbeitslosigkeit und "Österreich ist ein phantastisches Land". "Wir wollen die Nummer eins in Europa werden.

"Laues Vorwahlgeplänkel"
Für SPÖ-Klubobmann Cap war das Duell ein "laues Vorwahlgeplänkel". Der Eindruck habe sich verstärkt, dass "einer schwarz-grünen Koalition nichts mehr im Wege steht", so Cap.

Sieger und Verlierer des TV-Duells
Für den Politikbeobachter Wolfgang Bachmayer war Van der Bellen der "klar Unterlegene". Ihm ist vor allem die "Generationensymbolik" ins Auge gestochen.

Der Politologe Peter Filzmaier erklärte, dass man die Frage nach dem Besseren kaum beantworten könne. "Das ist ein sehr beliebtes Diskussionsspiel, die wirkliche Frage, wählt deshalb jemand ÖVP oder Grüne, ist ungleich schwieriger auszutesten".

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