23.08.2006 15:04 |

Wer bietet mehr?

Handel mit Bonus-Punkten für Verkehrsdelikte

Führerscheinpunkte sind in Spanien seit der Einführung des Punkteführerscheins ein begehrtes Gut geworden: Jeder Autofahrer hat ein bestimmtes Kontingent an Plus-Punkten. Sind die aufgebraucht, ist der Führerschein weg. Findige Autofahrer haben daher nun begonnen, mit den Punkten zu handeln.

Seit der Einführung des Punkteführerscheins sind die Straßen in Spanien deutlich sicherer geworden: Die Zahl der Verkehrstoten sank im Juli um 20% auf den niedrigsten Wert seit Jahrzehnten. Zugleich haben kreative Führerscheinbesitzer aber auch einen neuen Schwarzmarkt ins Leben gerufen. Angebote wie "Verkaufe die Führerscheinpunkte meiner Großmutter" sind nun keine Seltenheit mehr. Feilgeboten werden die Punkte für Preise zwischen 250 und 1.000 Euro.

Und die Nachfrage ist groß: Denn jeder Autofahrer verfügt über gerade einmal zwölf Bonus-Punkte, Fahr-Anfänger gar nur über acht. Für Verkehrsdelikte werden Punkte abgezogen, und wenn der Stand erst einmal bei Null angekommen ist, dann wird der Führerschein für ein halbes Jahr eingezogen. 

Und so weit kann es ganz schnell kommen, denn das spanische Reglement ist nach Angaben eines Automobilclubs das strengste in Europa. Rücksichtsloses Fahren kostet gleich sechs Punkte, ebenso wie Alkohol am Steuer. Die Benutzung eines Handys oder das Fahren ohne Gurt hat einen Abzug von drei Punkten zur Folge.

Der Punkte-Verkauf funktioniert dabei nach einem einfachen Prinzip: Wenn ein Raser in einer Radarfalle geblitzt wird und auf dem Foto nicht zu erkennen ist, gibt er den Namen desjenigen an, der ihm seine Punkte verkauft hat. Auch beim Falschparken werden fremde Punkte eingesetzt, denn auch hier wird der Verkehrssünder meist nicht persönlich bei der Tat ertappt.

Besonders die Punkte von Senioren, die ihre Fahrerlaubnis kaum mehr brauchen, sind beliebt. Dies konnte auch in Frankreich und Italien beobachtet werden, wo nach der Einführung des Punktesystems plötzlich auffallend viele ältere Personen in Verkehrsdelikte verwickelt waren. In Italien hatte gar ein 92-jähriger Greis für Schlagzeilen gesorgt, da er angeblich mit 126 Stundenkilometern auf einem Motorrad geblitzt worden sein sollte. Tatsächlich war aber sein Enkel auf der Maschine unterwegs.

Die Polizei ist vom Auftauchen dieses Schwarzmarktes nicht überrascht und geht davon aus, dass bald mafia-ähnliche Organisationen in das Geschäft einsteigen werden.

Während die Einen ihre Punkte so lange wie möglich behalten wollen, kann den Anderen ihr Punktestand garnicht schnell genug gegen Null gehen: Sie wollen die ersten sein, die auf Grund der neuen Punkteregelung den Führerschein abgeben müssen, da sie sich davon erhoffen, Schlagzeilen zu machen...

Bisher haben die Spanier allerdings noch alle ihre Punkte beisammen. Denn aufgrund der Einspruchs- und Verwaltungsfristen werden die ersten Punkteabzüge frühestens im September wirksam.