23.08.2006 16:36 |

Keine Überlebenden

Ferienflieger abgestürzt: War es ein Blitzschlag?

Nach dem Absturz eines russischen Ferienfliegers am Dienstag über der Ostukraine, bei dem alle 170 Menschen an Bord ums Leben gekommen sind, herrscht Rätselraten über die Absturzursache. Die russischen Behörden gingen zunächst davon aus, dass ein Blitz die Tupolew-154 getroffen hat. Zu den 170 Toten zählen auch 39 Kinder.

Ukrainische Rettungsmannschaften fanden das brennende Wrack des Flugzeugs vom Typ Tupolew-154 nördlich der Industriestadt Donezk. Die Maschine von Russlands viertgrößter Fluglinie brachte Urlauber aus dem russischen Badeort Anapa am Schwarzen Meer zurück nach St. Petersburg. Dabei führte die Flugroute über die Ukraine.

Absturzursache Blitzschlag
Nach Angaben des russischen Katastrophenschutzministeriums war das Flugzeug abgestürzt, nachdem es von einem Blitz getroffenen wurde. Die Besatzung habe vergeblich versucht, das Flugzeug notzulanden. Doch das Fahrwerk habe sich nicht geöffnet. Die Suchmannschaften haben mittlerweile die beiden Flugschreiber gefunden, von denen man sich weitere Informationen erhofft.

"Um 15.39 verschwand es von den Radarschirmen."
Ein Terroranschlag ist sehr unwahrscheinlich. Es hat keine Explosion gegeben. Augenzeugen des Absturzes berichteten, dass die Piloten die Kontrolle über die Maschine verloren haben. "Das Flugzeug trudelte im Fall um die eigene Achse", sagte der Schüler Sergej Melnikow aus dem Dorf Suchaja Balka nahe der Unfallstelle.  

Moderne Verkehrsflugzeuge sind normalerweise nicht durch Blitze gefährdet. Trotzdem werden Gewitter umflogen, weil in den Wolken heftige Turbulenzen herrschen. Ukrainische Fluglotsen erklärten, der Pilot habe die Erlaubnis erbeten, den Kurs wegen des Gewitters zu ändern. Eventuell sei die vollbesetzte Tupolew zu hoch geflogen und daher ins Trudeln geraten.

Staatstrauer
Russlands Präsident Putin hat für Donnerstag eine nationale Staatstrauer angeordnet, um der 170 Todesopfer des Flugzeugabsturzes in der Ukraine zu gedenken. Bei den meisten der am Dienstag Verunglückten handelte es sich um russische Urlauber, aber auch zwei Deutsche, ein Franzose, ein Finne und ein Mädchen aus den Niederlanden waren unter den Toten.

Suche nach Opfern
Wegen der Explosionsgefahr durch brennendes Kerosin konnten sich die Rettungsmannschaften dem Wrack der Tupolew nur vorsichtig nähern. Sie mussten zunächst Treibstoffbrände ringsum löschen. Am Flughafen von St. Petersburg nahmen sich Psychologen und Ärzte der wartenden Angehörigen an. An der Absturzstelle haben Rettungsmannschaften nach den 170 Todesopfern gesucht. Aus den Trümmern des Flugzeugs sind bis zum Mittwochnachmittag mehr als 130 Leichen geborgen worden.

Schon der dritte russische Absturz in diesem Sommer
Die Maschine sei 1992 gebaut worden und habe bislang 24.215 Flugstunden absolviert, sagte der stellvertretende Generaldirektor von Pulkovo, Wassili Naletenko. Beim letzten schweren Flugzeugunglück in Russland war am 9. Juli ein Airbus A310 der Fluggesellschaft Sibir in der sibirischen Stadt Irkutsk ungebremst über die nasse Landebahn hinausgeschossen und in Flammen aufgegangen.

Dabei kamen 124 Menschen ums Leben. Anfang Mai war ein armenisches Passagierflugzeug beim Landeanflug auf den südrussischen Badeort Sotschi ins Schwarze Meer gestürzt. Alle 113 Insassen des Airbus A320 starben.

Zwischen Russland und der Ukraine steht auch noch der Absturz einer russischen Tu-154 mit 76 Toten über dem Schwarzen Meer vom Oktober 2001. Erst nach Wochen gestand die ukrainische Luftwaffe ein, dass sie bei einer Übung das Flugzeug versehentlich mit einer Rakete abgeschossen hatte.