18.08.2006 15:08 |

Gefahr von Kollegen

US-Polizisten schießen sich selbst an

US-Polizisten sind nicht nur der Gefahr von Schussverletzungen durch Kriminelle ausgesetzt: Die Ermittler verletzen sich in knapp der Hälfte aller Fälle selbst, oder werden sogar von einem Kollegen angeschossen. Eine Analyse des Los Angeles Police Department über die Gefährdung von Beamten beschreibt nun die grotesken Vorfälle.

Hatte man bisher die Vorstellung, dass Polizisten hauptsächlich durch Verfolgungsjagden mit Kriminellen gefährdet werden, so wird man sich diesbezüglich auf ein neues Bild einstellen müssen. Zwischen 1985 und 2005 wurden 161 Polizei-Beamte in Los Angeles durch Schüsse verletzt. Das überraschende Ergebnis: fast die Hälfte von ihnen hat sich entweder selbst verletzt oder wurde von einem Kollegen getroffen.

Unfälle mit der Dienstwaffe sind dem Untersuchungsbericht zufolge keine Seltenheit: Besonders gefährdet sind die Beamten während dem Reinigen der Dienstwaffe. Aber auch auf Verfolgungsjagden löst sich ab und zu versehentlich ein Schuss.

Der Untersuchungsbericht schildert weiters teilweise sehr groteske Vorfälle: So schoss ein Polizist versehentlich seine Freundin an, als er ihr zur Erinnerung an ein Date eine Kugel aus seiner Waffe schenken wollte. Ein anderer Ermittler wurde durch den Anblick einer Frau mit einem Teddybären auf dem Arm so sehr erschreckt, dass sich ein Schuss aus seiner Waffe löste. Amüsant auch der Unfall zweier Polizisten, die stolz vor dem Spiegel posierten, und dabei versehentlich einen Schuss abfeuerten.

Doch leider gibt es auch Vorfälle mit tragischem Ausgang: So spielte ein kleiner Junge mit der Dienst-Waffe seines Vaters, wobei er diesen an der Hüfte traf. Seitdem ist der Mann von der Hüfte abwärts gelähmt.

Die Polizisten in Los Angeles sind grundsätzlich dazu verpflichtet, jeden abgefeuerten Schuss zu melden. Gerade bei den geschilderten „Unfällen“ verschweigen die Beamten ihre Missgeschicke jedoch häufig, um den angedrohten Disziplinarmaßnahmen und auch dem Spott der Kollegen zu entgehen.

Die Untersuchung zeigte weiters, dass die Zahl der Unfälle in den letzten fünf Jahren tendenziell gestiegen ist. Eine Sicherheits-Kommission versucht zwar, das Risiko für die Polizisten zu verringern, aber sogar Experten sind vor Missgeschicken nicht gefeit. Beispiel: Ein Beamter wollte seiner Freundin außerhalb der Dienstzeit zeigen, wie man verantwortungsvoll mit einer Waffe umgeht. Er entfernte zu diesem Zweck alle Patronen aus seiner Waffe – zumindest dachte er das. Als der Polizist seiner Freundin dann den „Abzugsdruck“ erklärte, löste sich ein Schuss. Das Projektil schlug glücklicherweise nur in der gegenüberliegenden Wand ein.

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