16.08.2006 10:45 |

Spätes Bekenntnis

¿Wer richten will, mag richten!¿

Nach den tagelangen Diskussionen um seine Person hat sich der Schriftsteller Günter Grass nun erstmals selbst zum jahrzehntelangen Verschweigen seiner Mitgliedschaft bei der Waffen-SS geäußert: Er sei aus Scham vorher nicht in der Lage gewesen, darüber zu sprechen. Trotz Kritik an seinem späten Bekenntnis müsse er nun dazu stehen, „und ich werde mir sicher noch lange diese Vorwürfe anhören können“, sagte der Literatur-Nobelpreisträger in der ARD.

Der 78-Jährige verwies ansonsten auf seine Autobiografie „Beim Häuten der Zwiebel“: „In diesem Buch, da ist es Thema, ich habe drei Jahre daran gearbeitet, und da steht alles, was ich zu der Sache zu sagen habe. Wer richten will, mag richten.“ Auf die Frage, warum er so lange geschwiegen habe, erklärte der 78-Jährige: „Ich hab es nicht getan, und dazu muss ich stehen.“

Grass spätes Bekenntnis wird seit Tagen durchaus kontrovers diskutiert. Manche wollten, dass ihm der Nobelpreis aberkannt wird, was die schwedische Nobelstiftung jedoch gleich vorneweg ausschloss. Seine Kritiker werfen Grass unter anderem vor, er hätte seine Waffen-SS-Mitgliedschaft schon viel früher öffentlich machen müssen, er sei des Nobelpreises nicht mehr würdig oder habe mit seinem Schweigen selbst seine moralische Integrität untergraben.

Dazu sagte Grass: „Was ich jetzt zur Zeit erlebe, dass hat - von einigen Leuten jedenfalls - mit sehr viel Selbstsicherheit zu tun und führt zu einem Aburteilen, ja, als sollte ich zu einer Unperson gemacht werden und all das im Nachhinein in Frage stellen, was mein späteres Leben ausgemacht hat. Und dieses spätere Leben war unter anderem von dieser Scham gezeichnet.“

Grass hatte am Wochenende erklärt, er habe sich im Alter von 15 Jahren als Hitlerjunge freiwillig zur U-Boot-Truppe gemeldet, sei mit 17 einberufen worden und vom Arbeitsdienst zur Division „Frundsberg“ gekommen, die zur Waffen-SS gehört. Grass erhielt 1999 den Literaturnobelpreis. Sein Roman „Die Blechtrommel“ von 1959 machte ihn weltberühmt.