09.08.2006 09:07 |

Es war Notwehr

18-Jährigen erstochen: Freispruch

Mit einem Freispruch ist am Dienstagabend im Wiener Straflandesgericht der Mordprozess gegen einen 43 Jahre alten Mann zu Ende gegangen. Er hatte am 12. März 2006 einen 18-jährigen Lehrling in seiner Wohnung in der Leystraße erstochen, nachdem der Bursch in diese eingedrungen und auf den Mann losgegangen war. Die Geschworenen billigten dem Mann zu, in Notwehr gehandelt zu haben.

Immer wieder hatte sich der Mann über nächtlichen Lärm in der über ihm gelegenen Wohnung beschwert. Diesmal war es allerdings nicht dieser Nachbar, der ihn um 5:00 Uhr aus dem Schlaf schreckte, sondern einige junge Burschen, die den stark alkoholisierten 18-Jährigen zum Ausnüchtern in dessen Wohnung „abliefern“ wollten.

Der 43-Jährige öffnete seine Tür und brüllte „Ist jetzt endlich a Ruh'?“ nach oben. Der Lehrling fühlte sich davon provoziert und pflanzte sich vor der fremden Tür auf. Der 43-Jährige wollte in dieser Situation die Polizei anrufen, kam aber nicht durch. Als er kurz die Tür öffnete, drang der Jugendliche in die Wohnung ein.

„Er war nicht zu bremsen“, sagte der Angeklagte, „Ich hab' fürchterliche Angst gehabt in dem Moment.“ Sogar die Freunde des 18-Jährigen versuchten, diesen zurück zu halten und aus der fremden Wohnung zu befördern. Als der Alkoholisierte zu Sturz kam, bewaffnete sich der 43-Jährige mit einem Küchenmesser. Damit stach er zu, als sich der Angreifer aufrappelte und neuerlich auf ihn losgehen wollte.

Der 43-Jährige, der sich still und beinahe emotionslos bei Richterin Patrizia Kobinger bedankte, wird nun nach fünfmonatiger U-Haft unverzüglich auf freien Fuß gesetzt. Der Freispruch ist allerdings noch nicht rechtskräftig, die Staatsanwältin behielt sich vorerst Rechtsmittel vor.

Samstag, 19. Juni 2021
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