24.07.2006 20:12 |

Verhärtete Fronten

Kein Ergebnis bei Wiener Kosovo-Gesprächen

Erwartungsgemäß keine Bewegung in den unversöhnlichen Positionen der Konfliktparteien hat es am Montag beim ersten Gipfelgespräch von Serben und Albanern über den künftigen völkerrechtlichen Status des Kosovo in Wien gegeben. Die Unabhängigkeit der südserbischen Provinz sei "das A und O" und die "einzige realistische Lösung", bekräftigte Kosovo-Präsident Fatmir Sejdiu.

Sein serbischer Amtskollege Boris Tadic warf der albanischen Seite daraufhin fehlende Verhandlungsbereitschaft über den Belgrader Plan einer weitgehenden Autonomie für den Kosovo vor. Dem vom serbischen Ministerpräsidenten Kostunica präsentierten serbischen Vorschlag zufolge soll der Kosovo eine "substanzielle Autonomie" mit gesetzgebender, exekutiver und juridischer Gewalt bekommen.

"Es ist offensichtlich, dass die Positionen der beiden Seiten weit auseinander sind", sagte der UNO-Sonderbeauftragte Ahtisaari nach Abschluss des Treffens. Die Atmosphäre sei aber besser gewesen als er erwartet habe. Auf die Frage, ob es einen Durchbruch bei dem Treffen gegeben habe, antwortet Ahtisaari mit "Nein". Er habe dies aber auch nicht erwartet.

Eine Frage der Unabhängigkeit
Zweck des Treffens sei gewesen, dass beide Seiten ihre jeweiligen Positionen präsentieren. Sie hätten dies "gut gemacht". Belgrad sei bereit, "fast alles zu geben außer der Unabhängigkeit", während Pristina "nichts als volle Unabhängigkeit" akzeptieren wolle. Er halte weiterhin am Plan fest, bis Ende des Jahres eine Lösung zu finden.

Beobachter werteten schon das Zustandekommen des Treffens im Wiener Palais Niederösterreich als Erfolg. Erstmals seit dem Ende des Kosovo-Kriegs im Juni 1999 saßen sich nämlich die Präsidenten und Ministerpräsidenten des Kosovo und Serbiens gegenüber. Zum ersten Mal wurde auch über die Statusfrage gesprochen.

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