20.07.2006 10:11 |

Ausgerottet

Klimakatastrophen ließen Neandertaler aussterben

Nicht verheerende Krankheiten oder brutale Ausrottung durch den nach Europa einwandernden modernen Menschen, sondern gewaltige Klimakatastrophen sollen nach jüngsten Forschungen die Ursache für das Aussterben der Neandertaler gewesen sein. Zwei "dramatische Klimaverschlechterungen" vor etwa 40.000 Jahren und noch einmal knapp 10.000 Jahre später hätten zunächst den Siedlungsraum der Neandertaler stark eingeengt, sagte der Direktor des Neanderthal-Museums in Mettmann, Prof. Gerd-Christian Weniger.

Anschließende starke Erwärmungen mit günstigen Lebensbedingungen hätten dann die modernen Menschen als Vorfahren der heutigen Europäer in großer Zahl aus Westasien nach Europa gelockt, erklärte der Wissenschaftler: "Dies sind Dinge, die wir erst in den letzten fünf, sechs Jahren so konkret fassen konnten."

Dramatische Wüstenbildung nach Vulkanausbruch
Anhaltspunkte für diese neuen Erkenntnisse lieferten sowohl geologische Forschung an Atlantiksedimenten als auch archäologische Befunde, sagte Weniger. Nach dem ersten Klima-Umschwung habe nicht nur die plötzliche Wärme, sondern auch ein gewaltiger Vulkanausbruch in Süditalien für "dramatische Wüstenbildung" im Mittelmeerraum gesorgt: "Man fragt sich, wohin sind die Neandertaler zurückgewichen?" Auch die ersten modernen Menschen seien zunächst wieder verschwunden. Ohnehin sei das eiszeitliche Europa "kein zentraler Siedlungsraum der Menschen" gewesen.

Nachschub-Zufuhr unterbrochen
Nach aktuellen Modellrechnungen hätten in den Warmphasen zwischen Atlantik und Südrussland nie mehr als 90.000 Neandertaler, in den Kälteperioden nur noch 10.000 dieser Urmenschen gelebt. Die jeweils anschließenden "supraoptimalen Bedingungen" mit weiten Grasflächen und großen Huftier-Herden hätten dann für einen beständigen Strom von Neueinwanderern nach Europa gesorgt. "Die Neandertaler hatten aber kein Reservoir mehr, aus dem ihr Nachschub hätte kommen können", sagte Weniger.

Mittwoch, 23. Juni 2021
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