Spritsparen ist ebenso gut für die Umwelt wie fürs Gewissen - aber will man deshalb einen Kleinwagen fahren, wenn man eine prestigeträchtige Limousine mit entsprechendem Komfort gewohnt ist? Nicht unbedingt. Und daher hat auch Jaguar für seine Business Class eine dezidierte Sparvariante im Programm: den XF 20d e-Performance.
Dafür haben die Briten dem ohnehin schon nicht als Schluckspecht verschrienen Zweiliter-Vierzylinder-Diesel weitere Genügsamkeit anerzogen. Motorenseitig heißt das 163 statt 180 PS sowie 380 statt 430 Nm ab 1750/min. Die seitlichen Lufteinlässe vorne wurden geschlossen, weil durch die geringere Leistung weniger Kühlung notwendig ist, die Lamellen hinterm Kühlergrill werden so oft wie möglich elektrisch geschlossen, um einen geringeren Luftwiderstand zu erzielen, die Sommerreifen haben serienmäßig Leichtlaufeigenschaften.
Der Trick mit dem Gewicht
Auch am Gewicht wurde gefeilt (1480 kg ohne Fahrer), etwa durch eine leichtere Auspuffanlage (erkennbar daran, dass kein Auspuff zu sehen ist), durch besonders leichte Alufelgen (man kann aber auch andere bestellen), aber auch durch kleinere Tanks für Diesel und AdBlue. Rund ein Viertel der 40 kg Gewichtsersparnis im Typenschein kommt also davon, dass weniger Flüssigkeiten an Bord sind. Das ist natürlich Humbug, da kann ich gleich aufs Volltanken verzichten. Und so deutlich wirken sich die Maßnahmen auf den Verbrauch nicht aus, dass sie den Unterschied der Tankkapazität zwischen 55 und 66 Liter ausgleichen: 4,1 statt 4,3 l/100 km beträgt der Normverbrauch; im Testmittel zeigte der Bordcomputer 6,5 l/100 km an (mit Winterreifen). Übrigens wirkt sich die verbesserte Aerodynamik vor allem bei Autobahnfahrten günstig auf den Verbrauch aus.
Katzenartiges Gleiten
Beim Fahren merkt man dem Jaguar XF die Sparambitionen nicht an, jedenfalls nicht ohne direkten Vergleich. Der Vierzylindermotor nagelt nicht, sondern surrt, klingt nur dann ein wenig angestrengt, wenn man ihn hochdreht. Ansonsten schiebt er kraftvoll von unten heraus, unterstützt von der hervorragenden Achtgangautomatik (manuelles Getriebe ist Serie). In 8,7 Sekunden beschleunigt der Spar-XF von 0 auf 100 km/h, die Standardvariante schafft das eine gute halbe Sekunde schneller.
Das Fahrwerk ist höchst komfortabel, bügelt auch fiesen Belag glatt, kann aber auch mit sportlichen Naturen am Volant umgehen. Dieses gibt auch gute Rückmeldung, vor allem im Fahrmodus "Sport". Das alles macht den XF zu einem höchst angenehmen Begleiter für lange Reisen, wobei auch der geringe Geräuschpegel im Inneren selbst bei höherer Geschwindigkeit eine große Rolle spielt.
Zudem ist das Raumgefühl im Innenraum hervorragend, Jaguar rühmt sich mit der "klassenbesten Kniefreiheit im Fond". In den Kofferraum passen reisetaugliche 540 Liter, die Rücksitzlehne ist gegen Aufpreis 40:20:40 unklappbar.
Am Stil wird nicht gespart
Trotz Vierzylinder-Sparvariante: Der Jaguar XF bietet die volle Ladung Stil. Schlicht-elegante Karosserie mit glatten Flächen und so sparsam verteilten Kanten, dass der Wagen tatsächlich fast trocken ist, wenn er aus der Waschstraße kommt. Das Armaturenbrett britisch dezent, das Navitainment auf der Höhe der Zeit, mit intuitiv zu bedienendem Touchscreen. Lediglich die Zieleingabe könnte sinnvoller sein. Beispiel: Gibt man "Wien" ein, landet man auf einer Liste mit 24 Einträgen, in der man ans Ende blättern muss, um Wien zu finden. Und das bei jeder neuen Zieleingabe, auch wenn man nur zu einer anderen Straße in Wien fahren möchte. Auch dass die Sitzheizung vorne nur über den Touchscreen eingeschaltet werden kann und nicht (wie hinten) mit zwei dezidierten Knöpfen, gehört zu einer Handvoll nicht so elegant gelösten Kleinigkeiten.
Unterm Strich
Die Sparversion des Jaguar XF ist ein echter Jaguar mit der entsprechenden Ausstrahlung und fahrwerkstechnischer Geschmeidigkeit - und mit einem Basispreis von 42.200 die günstigste Möglichkeit, den großen Briten sein Eigen zu nennen (Testwagenpreis inkl. Extras 55.600 Euro). Ob man aus Verbrauchsgründen zum e-Performance greifen muss, sei dahingestellt. In der Praxis fällt wohl der um elf Liter kleinere Tank mehr ins Gewicht als der Verbrauchsvorteil von ein paar Zehntellitern. Um 1500 bis 2000 Euro Aufpreis bekommt man den klassischen Vierzylinder, der dann auch mehr Schmalz beim Beschleunigen bietet. Doch das braucht nicht jeder - und Sparen hat hier prinzipiell nicht viel mit Verzicht zu tun.
Warum?
Warum nicht?
Oder vielleicht …
… Audi A6 2.0 TDI ultra, BMW 518d, Mercedes-Benz E 220d, Volvo S80 D4








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