13.07.2006 19:45 |

Herzlos

Kinder um 20.000 Euro an Bande verkauft

Eine internationale Bande, die in Bosnien Kinder ihren Eltern um 20.000 Euro abkaufte und sie zu Profi-Taschendieben ausbildete, wurde von der Polizei in Österreich zerschlagen. Nach einer Großaktion wurden vier Bandenbosse im letzten Moment auf der Flucht im Wechselgebiet (Niederösterreich) bei einer Autobahnraststätte verhaftet. Innenministerin Liese Prokop: "Die Kinder sind nicht nur Täter, sondern auch Opfer. Wir können den Missbrauch von Minderjährigen nicht tolerieren."

Die Kinderbanden von strafunmündigen Mädchen und Buben waren nicht nur in Wien, sondern auch in Graz und Linz unterwegs.

Nach ihrer Ausbildung zu Taschendieben wurden die Kinder gezwungen, ihren Bossen täglich 2000 Euro des erbeuteten Geldes abzuliefern. Bei den "Lehrlingen", die erst kurz in Wiener U-Bahnen unterwegs waren, gaben sich die Bandenchefs mit 500 Euro täglich zufrieden.

Krisenzentrum betreut Jugendliche
Generalmajor Karl Mahrer: "Allein in der ersten Julihälfte gab es 1.159 Taschendiebstähle in Wien. An Spitzentagen wurden von der Kinderbande bis zu 200 Diebstähle verübt. Seit der Verhaftung der Hintermänner gingen die Diebstähle schlagartig bis auf 20 zurück." Der stellvertretende Leiter des Kriminalamtes Wien, Major Wolfgang Preiszler: "Wir nahmen 123 bosnische Kinder fest. Die Jugendlichen waren wirklich gut ausgebildet. Jeder zweite Diebstahlsversuch gelang ihnen." Die minderjährigen Straftäter wurden dem Leiter des Krisenzentrums der Stadt Wien, Norbert Ceipek, übergeben, der sich um die Jugendlichen kümmert.

Reiche Bosse wurden nervös
Durch die ständigen U-Bahn-Streifen wurden die vier Bandenchefs beunruhigt und trafen sich zu einer Krisensitzung in Wien-Hernals. Da ihm der Boden zu heiß wurde, wollte sich der 54-jährige Boss der Bosse, der von den Kindern als "Padrone" angesprochen wurde, mit seiner Freundin und seinen beiden erwachsenen Söhnen, die ebenfalls Taschendiebbanden befehligten, in den Süden absetzen. In der Wohnung fanden die Beamten des Landeskriminalamtes Wien die Schlüssel von einem Porsche im Wert von 171.000 Euro, einem Mercedes im Wert von 78.000 Euro, zwei Geländewagen im Wert von 58.000 Euro und ein Sparbuch mit 32.000 Euro.

Die kleinen Taschendiebinnen, die von der Polizei aufgegriffen werden, kommen ins Krisenzentrum der Stadt Wien und werden dort betreut.

Von Erich Schönauer und Christoph Budin, Kronen Zeitung

Symbolbild, Foto: Martin A. Jöchl

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