11.07.2006 17:11 |

17 Jahre Haft

Mädchen folterten 21-Jährigen fast zu Tode

Im Prozess um den versuchten Raubmord an einem 21-jährigen Wiener ist am Montagabend die 18 Jahre alte Haupttäterin einstimmig im Sinn der Anklage schuldig erkannt und zu 17 Jahren Haft verurteilt worden. Das Strafausmaß lag damit nur drei Jahre unter der gesetzlich möglichen Höchststrafe. Ihre 16 Jahre alte Komplizin wurde mit 6:2 Stimmen schuldig gesprochen und zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Zudem müssen die beiden Mädchen ihrem Opfer, das sie zunächst mit mindestens 15 Messerstichen attackiert und anschließend mit einem Brandbeschleuniger übergossen und angezündet hatten, 20.000 bzw. 10.000 Euro an Schadensgutmachung leisten.

Die Urteile sind nicht rechtskräftig, die Verteidiger der Angeklagten meldeten Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an, beziehungsweise baten um Bedenkzeit. Der Staatsanwalt gab vorerst keine Erklärung ab.

Brutale Tat
"Nur Ihre bisherige Unbescholtenheit hat Sie von der Höchststrafe herunter gerissen. Und der Umstand, dass es Ihnen nicht gelungen ist, ihn umzubringen", erklärte der Richter der nach außen hin ungerührten Hauptangeklagten. Die Folgen der Tat - der junge Mann wird bis ans Ende seines Lebens entstellt bleiben, die seelischen Narben dürften jedenfalls auch nicht rasch verheilen - und die "brutale Tatbegehung" fielen besonders erschwerend ins Gewicht.

Der Strafrahmen für die Mittäterin reichte bis zu 15 Jahren, zehn wurden verhängt. Das Mädchen brach bei der Urteilsverkündung zusammen und verfiel in einen minutenlangen Weinkrampf.

Mordversuch wegen 400 Euro
Was zurückbleibt, ist Fassungslosigkeit. Keine Spur von Reue. Sandra (18), angeklagt wegen Mordversuchs, kann sich nicht einmal zu einem Hauch von Betroffenheit durchringen. Im Gegenteil, vor Wiener Geschwornen schildert sie die Tat, als wäre man beim Kaffeeplausch. "Alex", wie der Mann fast liebevoll von der Hauptangeklagten Sandra genannt wird, hatte in dreifacher Hinsicht Pech: Er liebte die junge Frau, doch der war er egal. Sie wollte nämlich nur die 400 Euro, die der Mann bei sich trug. Deshalb sollte er sterben.

Auf Erstechen "geeinigt"
Sandra lockte ihn in eine Wiener Wohnung. Freundin Carina kam auch dazu. Zuerst bekam Alex vergifteten Tee zu trinken, doch das nützte nichts. "Da hat Carina gemeint: ,Bringen wir ihn um". Hab ich o.k. gesagt. Wir haben uns aufs Erstechen geeinigt", gibt Sandra mit schnippischem Unterton zu Protokoll.

Keine Gnade für Verletzten
Und als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, setzt sie fort: "Alex sah einen Film. Wir haben uns währenddessen Latexhandschuhe angezogen und haben von hinten zugestochen. Das klingt absurd, aber das war halt so." Dass Alex weinend seine Geliebte Sandra um Gnade bat: "Warum tust du das, ich liebe dich doch so?", rührte die Angesprochenen wenig.

Verzweifelter Sprung aus dem Fenster
Im Gegenteil: Man schüttete ein Putzmittel auf den nach 15 Stichen schwer Verletzten und zündete ihn an. Und maßregelte ihn mit strengem Unterton: "Er hat sich nämlich zu einer Couch geschleppt. Hab ich gesagt, geh weg dort, sonst brennt die auch noch." Alex rettete sich durch einen Sprung aus dem Fenster.

Von Peter Grotter

Foto: Andi Schiel

Mittwoch, 23. Juni 2021
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