28.01.2016 06:05 |

Geostationäre Sonden

Europa baut eine Datenautobahn im Weltall

Europa baut eine Datenautobahn im Weltall. Ein etwa 50 Kilogramm schweres Gerät soll künftig in rund 36.000 Kilometern Höhe als Übermittler dienen, um mithilfe von Lasertechnik Daten von Satelliten abzuholen und diese zur Erde zu übertragen. Damit könnten gesammelte Beobachtungsdaten schneller zu den Nutzern in Europa gelangen - und etwa Hilfseinsätze nach Naturkatastrophen oder die Grenzüberwachung erleichtern.

Die erste Relaisstation soll schon am 29. Jänner um 23.20 Uhr an Bord einer "Proton"-Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan abheben. Das Projekt der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Partnerschaft mit dem Flugzeugbauer Airbus will einen Engpass bei der Übermittlung von Daten aus dem All auflösen.

Viele Beobachtungssatelliten wie beispielsweise die "Sentinel" des EU-Programms Copernicus kreisen in einer niedrigen Umlaufbahn um die Erde. Dadurch seien sie aber im Schnitt nur zehn von 90 Minuten in Reichweite ihrer Bodenstation, erläuterte ESA-Projektmanager Michael Witting. "Wir können Daten nur in diesem Zeitraum übermitteln, was die Datenmenge empfindlich einschränkt und auch eine Verzögerung schafft."

Ständiger Kontakt zu Bodenstationen
Von einem Satelliten im geostationären Orbit aus sind solche tieffliegenden Beobachter deutlich länger in Sichtweite - mindestens die Hälfte der Zeit. Die Relaisstation bleibt inzwischen immer über dem gleichen Punkt der Erdoberfläche und kann somit ständig Kontakt zur Bodenstation halten. Ziel des Europäischen Datenrelaissystem (EDRS) ist eine Übertragung zum Nutzer in einer Viertelstunde.

Für militärische Nutzer wirbt Airbus-Manager Evert Dudok dank der Lasertechnik mit Pluspunkten bei der Sicherheit. Als Einsatzmöglichkeiten nennt er auch Flutkatastrophen, die Beobachtung von Flüchtlingsströmen oder Umweltdelikten auf hoher See. "Da ist Geschwindigkeit wichtig", betont Dudok, der bei der Rüstungs- und Raumfahrtsparte des europäischen Konzerns für Kommunikations-, Überwachungs- und Sicherheitssysteme zuständig ist.

Zentrale Herausforderung war es, den Laserstrahl zwischen Beobachtungssatellit auf 800 Kilometer Höhe und der Relaisstation auf 36.000 Kilometer Höhe abzustimmen. Das Projekt hat ein Budget von etwa 500 Millionen Euro, rund 140 Millionen steuert Airbus bei.

Zweite Relaisstation soll 2017 starten
Die erste Relaisstation "EDRS-A" fliegt huckepack an Bord des Fernsehsatelliten "Eutelsat-9B" ins All. Die zweite Station bekommt einen eigenen Satelliten und soll 2017 starten. In der Diskussion sind laut Dudok eine oder zwei weitere Stationen, um eine globale Abdeckung sicherzustellen, damit Beobachter rund um die Uhr Daten übermitteln können.

Erste Dienste sollen schon im Sommer angeboten werden, zunächst für zwei "Copernicus"-Satelliten. Zudem sollen bald neue Laserterminals getestet werden, mit denen auch Daten von Aufklärungsflugzeugen oder Drohnen über die Relais übertragen werden können. "Wenn dieses Produkt funktioniert, wird das Anwendungsspektrum sehr schnell sehr viel größer", hofft Dudok. Er meint: "Wir setzen mit EDRS auch einen globalen Standard, der sehr reizvoll ist."

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