05.07.2006 14:22 |

Fußball-Skandal

Italienische Funktionäre bestreiten Manipulation

Mehrere Hauptverdächtige im italienischen Fußballskandal haben vor dem Sportgericht in Rom alle Vorwürfe zurückgewiesen. Sowohl der ehemalige Chef des Fußballverbandes, Franco Carraro, als auch der Besitzer von AC Fiorentina, Diego Della Valle, und Lazio-Rom-Präsident Lotito bestritten am Mittwoch, Schiedsrichter und damit Spielergebnisse beeinflusst zu haben.

Der mutmaßliche Drahtzieher in dem Skandal, Ex-Juventus-Präsident Luciano Moggi, ist bisher noch nicht vor dem Gericht erschienen, das noch vor dem WM-Finale am 9. Juli sein Urteil fällen will. Allerdings kommt das am vergangenen Donnerstag eröffnete Verfahren nur schleppend voran.

Staatsanwalt fordert drastische Strafen
Am Dienstag hatte der Staatsanwalt drastische Strafen für die Vereine gefordert, die Fußballspiele beeinflusst haben sollen: Juventus Turin sollen die letzten beiden Titel aberkannt werden, außerdem soll der Verein mindestens in die dritte Liga versetzt werden. AC Milan, Lazio Rom und Fiorentina sollen in die zweiten Liga verschwinden. Allen Vereine drohen zudem Punktabzüge. Die angeklagten 25 Offiziellen sollen bis zu fünf Jahre lang keinerlei Fußball-Ämter mehr ausüben dürfen.

Telefongespräche belasten Funktionär
Carraro, der der ranghöchste unter den beschuldigten Funktionären ist, sagte vor dem Gericht über sein Verhältnis zu den Schiedsrichtern: "Ich habe sie immer gebeten, so wenige Fehler wie möglich zu machen und alle Mannschaften und Spieler gleich zu behandeln."

Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen auf Mitschnitte von Telefongesprächen verwiesen. Sie zeigten, dass Fiorentina und Lazio die Ansetzung von Schiedsrichtern und Entscheidungen auf dem Spielfeld über ihre Kontakte zu Carraro und anderen Verbandsfunktionären beeinflusst hätten. Diesen Vorwurf wiesen auch Florenz-Besitzer Valle, Lazio-Chef Lotito und Juve-Manager Antonio Giraudo zurück.

Juventus-Trainer erklärte Rücktritt
Einen Tag zuvor hatte Juventus Turin bekannt gegeben, dass Trainer Fabio Capello seinen Rücktritt erklärt hat. Der Abgang des Coaches kam wenige Stunden nach der Forderung von Untersuchungsrichter Stefano Palazzi, wonach der italienische Rekordmeister als Folge des Manipulationsskandals in Italien in die dritte oder eine noch niedrigere Leistungsklasse absteigen soll. 

Capello, der 2004 bei Juve dem zur Nationalmannschaft abgewanderten Marcello Lippi beerbet hatte, dürfte zu Real Madrid wechseln. Der Neo-Real-Präsident Ramon Calderon hatte am Montag angekündigt, den ehemaligen Coach der "Königlichen" zurück nach Madrid zu holen. Der Vertrag soll noch diese Woche unterzeichnet werden.

Der 60-jährige Capello hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass er den Turiner Klub verlassen werde, sollte Juve mit dem Zwangsabstieg bestraft werden.

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