So, 19. August 2018

Seit 30 Jahren

21.01.2016 10:29

Der einsamste Job in Kitzbühel

Wenn der ganze Hahnenkamm zum quirligen Ameisenhaufen wird, dann ist ein entscheidender Mann ganz weit weg, sitzt einsam irgendwo am gegenüberliegenden Kitzbüheler Horn. Sebastian Seissl ist seit 30 Jahren Herr über den gesamten Funkverkehr.

Trotz Digitalzeitalter hat die Topografie ihre Tücken: Weil eine direkte Funkverbindung vom Ziel zum Start der Streif nicht möglich ist, wird eine Hütte am gegenüberliegenden Berg zur unentbehrlichen Schaltstelle.

Zuhaus von Bauernhof wird zur Funkstation

Seit 1986, bei jedem Training und während der Rennen, sitzt dort Sebastian Seissl von der gleichnamigen Funktechnikfirma in Schwoich. Ein schlichtes Zuhaus eines Bauernhofes beherbergt die fünf kurzfristig aufgebauten Relaisstationen samt Richtantennen, ohne die das Kitz-Spektakel unmöglich wäre. "Schon vor 30 Jahren habe ich das Rote Kreuz im Raum Kitzbühel mit Funk ausgestattet, daher kam ich zu diesem spannenden Job", erinnert sich der heute 68-Jährige. Wenn er einen der Sprüche des Skiclub-Präsidenten Michael Huber hört, der selbst im schlimmsten Schneesturm nie den Humor verliert, dann kommt beim einsamen Funk-Experten das spezielle Kitzbühel-Gefühl auf.

Mehr als 200 Funkgeräte im Einsatz

Manchmal, zu später Stunde, ist im Funk ein befreites Gelächter zu hören - dann, wenn die Verantwortungsträger auf einen gelungenen Renntag anstoßen und in den Jacken manche Sprechtaste unabsichtlich aktiviert wird. Wie überall rund um das Hahnenkamm-Rennen war die Entwicklung rasant: "Am Anfang betrieben wir 15 Funkgeräte. Heute sind es mehr als 200 Stück - aufgeteilt auf die Frequenzen für Abfahrt, Slalom, Jury, Technik, Event, Zeitnehmung und Reservekanal", sagt Seissl. Wichtig auf der Hütte sind auch eine Speicherbatterie (für den Fall eines Stromausfalls) und ein Notstromaggregat.

In 30 Jahren kein einziger Funk-Ausfall

Apropos Notfall: Seissl ist stolz darauf, dass es in den ganzen 30 Jahren keinen einzigen Funkausfall gab. Was ist, wenn - wie im Vorjahr in Wengen - eine dauerhaft gedrückte Sprechtaste den ganzen Funkverkehr blockiert? "Dann kann ich das betreffende Funkgerät einfach wegschalten, doch dazu muss ich bei der Station sitzen", erklärt Seissl. Und wenn einmal ein Geräteteil schlapp macht? "Dann habe ich alles doppelt und dreifach im Auto dabei", schmunzelt der sympathische Unterländer.

Ehrwürdiges Amt bleibt weiterhin in der Familie

Der Wermutstropfen im heurigen Jahr: Sebastian muss krankheitsbedingt pausieren, erlebt die Rennen also nur von daheim. Sohn Martin übernimmt das ehrwürdige Amt. "Es wird mir schiach tun", denkt der Herr des Kitzbüheler Funkverkehrs an die Renntage ...

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