02.07.2006 12:53 |

Wichtiger Schritt

Gesetzesänderung zum Schutz vor Zwangsehen

Jährlich werden vermutlich hunderte Mädchen und Buben gegen ihren Willen zwangsverheiratet. Zu Anzeigen kam es in Österreich bisher aber kaum, Verurteilungen gab es seit 1975 sogar nur sieben. Mit einer am 1.Juli in Kraft tretenden Gesetzesänderung könnte sich das ändern. Denn Ehenötigung wird in ein Offizialdelikt umgewandelt und kann damit auch ohne Zustimmung der Opfer geahndet werden.

Damit wird der Hauptgrund für die wenigen Anzeigen abgeschwächt.

Denn zumeist geht die Ehenötigung von den Eltern aus und die Betroffenen sind selten bereit, die eigene Mutter und den eigenen Vater anzuzeigen, erklärte Gül Ayse Basari von der Beratungsstelle "Orientexpress" in Wien-Leopoldstadt. Nun kann eine Anzeige auch vom Jugendamt erstattet werden.

Heirat innerhalb der Familie üblich
Die Probleme der Betroffenen sind damit freilich nicht gelöst. In den meisten Fällen stamme eines der Opfer aus dem Heimatland und sei in Österreich ohne Sprachkenntnisse und Bekannte völlig isoliert. Die Familienbande sind dabei sehr stark. "Es ist sehr üblich, dass Cousin und Cousine verheiratet werden", so Basari.

Frauen leiden unter Gewalttaten
Zwangsverheiratungen werden daher von den Behörden oft nicht als Gewalt angesehen, sondern als "kulturelle Angelegenheit", kritisierte Basarai und betonte, dass "Zwangsheirat Gewalt ist und man sich einmischen muss". Für die Frauen bedeute die Hochzeitsnacht oft Vergewaltigung, gab Basari zu bedenken.

In diversen arabische Ländern Praxis
Zahlen über Zwangsehen gibt es keine, die Beratungsstelle "Orientexpress" hatte im Vorjahr 46 Klientinnen, 25 davon waren von einer Zwangsheirat bedroht und 21 bereits verheiratet. Betroffen sind dabei nicht nur türkische Frauen, Zwangheirat sei auch in Pakistan, Indien und den arabischen Ländern üblich, so Basari.

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