02.07.2006 14:35 |

Mörder aus Geldnot

15-Jähriger gesteht Mord an 81-jähriger Frau

Die Polizei in Hamburg hat den 15-Jährigen festgenommen, der seinem Geständnis zufolge eine 81-jährige Rentnerin getötet hat. Als Motiv hat er Geldnot angegeben. Der Junge soll in der Vorwoche im Stadtteil Eimsbüttel die alte Frau erwürgt und beraubt haben. Er hat sein Opfer über deren Enkelin gekannt, die 81-Jährige hat ihm mehrfach Geld zugesteckt, weil er obdachlos war.

Den Hinweis auf den Aufenthaltsort des Jugendlichen erhielt die Polizei nach einem Anruf.

In einem Treppenhaus im Stadtteil St. Georg trafen Fahnder am Freitagnachmittag auf den 15-Jährigen, der sich laut Polizei widerstandslos festnehmen ließ. Er soll bereits mehrfach wegen verschiedener Gewalttaten in Heimen gelebt haben.

Harter Kern besonders gefährlich
Nach Ansicht des renommierten Kriminalpsychologen Prof. Friedrich Lösel entwickelt sich eine kleine Gruppe junger Gewalttäter zu einem besonderen Gefahrenherd in der Gesellschaft. Und das, obwohl die allgemeine Gewaltkriminalität mit Mord und Totschlag auf längere Sicht zurückgeht. "Ein Teil der Jugendkriminalität gibt Anlass zur Sorge", warnte Lösel. "Dies gilt nicht allgemein für die jungen Menschen, aber für eine Kerngruppe von früh auffälligen Jugendlichen." Etwa fünf Prozent der männlichen Jugend müssten zu diesem harten Kern gerechnet werden.

Schon als Kinder kriminell
Lösel leitet das britische Institut für Kriminologie der Universität Cambridge und ist Professor an der Universität Erlangen- Nürnberg. "Die 14- bis 20-Jährigen sind in allen Gesellschaften kriminell am auffälligsten. Das ändert sich später, und mit 25 Jahren sinkt die Kurve normalerweise steil ab", erläuterte Lösel. "Eine Gruppe fällt jedoch bereits früh auf und bleibt langfristig delinquent. Viele davon sind bereits mit zwölf Jahren, wenn sie rechtlich noch gar nicht strafmündig sind, als Täter bekannt."

Viele Ursachen für Verrohung
Das Filmen von Prügelaktionen an Schulen mit einem Fotohandy, das wiederholt für Schlagzeilen sorgte, wertete Lösel als Zeichen "der Verrohung dieser Gruppe". Sie ahmten die Quälereien anderer nach, weil es ihnen Spaß mache. Den jungen Tätern fehle das Einfühlungsvermögen in ihre Opfer. Ihre Hemmschwellen gegenüber der Gewalt seien sehr niedrig. Dafür gebe es ein Bündel von Ursachen, angefangen bei den Familienstrukturen über die Erziehung, den Medienkonsum und die kulturellen Hintergründe bei Einwanderern bis zu biologischen Prozessen.

Symbolbild