11.01.2016 10:23 |

Bisher kaum bekannt

Zugroute der gefährdeten Blauracke nachverfolgt

Die Blauracke ist in Österreich extrem gefährdet. Auch in anderen Brutgebieten Europas verzeichnet der auffallend gefärbte Vogel starke Bestandsrückgänge. Forschern aus neun Ländern, darunter Österreich, ist es nun gelungen, die bisher weitgehend unbekannte Zugroute des Vogels zwischen dem südlichen Afrika und Europa nachzuverfolgen, berichten sie im Fachjournal "Diversity and Distributions".

Die Blauracke ist ein Weitstreckenzieher, der in Europa brütet und den Winter in Afrika südlich des Äquators verbringt. Der Großteil der Individuen überwintert in den Trockensavannen Angolas, Namibias und Botswanas. Der Weg der Vögel über das Mittelmeer und den afrikanischen Kontinent war bisher weitgehend unbekannt. Das Problem sei gewesen, dass die Sender für klassische Satelliten-Telemetrie zu groß und schwer für die Vögel, die etwas größer als eine Amsel sind, waren, so einer der Studienautoren Michael Tiefenbach, Gebietsbetreuer im Europaschutzgebiet Südoststeirisches Hügelland.

Die Wissenschaftler griffen deshalb auf sogenannte Geolokatoren zurück, die ausgestattet mit Lichtsensor, Uhr, Datenspeicher und kleiner Batterie sehr einfach und leicht gebaut werden können. Mit Hilfe der Tageslänge kann damit der Breitengrad bestimmt werden, über den Zeitpunkt von Sonnenauf- und -untergang der Längengrad. Der einzige Nachteil ist, dass die Daten nicht gesendet werden können, sondern die Vögel wieder gefangen werden müssen, um aus den Geräten die Daten auszulesen.

Populationen bleiben über weite Strecken stark verbunden
Dabei stellte sich generell die nördliche afrikanische Savannenzone und speziell das Becken um den Tschadsee als wichtiges Rastgebiet für die Blauracke heraus. Zudem zeigte sich, dass die Vögel aus in Osteuropa brütenden Populationen auch über die weite Zugstrecke hinweg stark verbunden bleiben, "also jene Individuen, die nahe zueinander brüten, auch nahe zueinander überwintern", sagte Tiefenbach. Bei den in Südwesteuropa brütenden Vögel war dieses Phänomen nicht so stark ausgeprägt.

Problematisch ist dieses Verhalten bei isolierten Brutpopulation, wie etwa jene in Österreich, sagte der Ornithologe. Wenn sie sich in den Überwinterungsgebieten nicht über größere Bereiche verteilen und mit anderen Populationen mischen, seien sie lokalen Verschlechterungen oder Zerstörungen des Winterquartiers stärker ausgeliefert.

Blauracken in Österreich extrem gefährdet
Tiefenbach hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der österreichischen Blauracken-Population auseinandergesetzt und ist auch für deren Monitoring verantwortlich. Mittlerweile sei jeder einzelne Vogel markiert, die Population aber völlig isoliert, ohne Austausch mit den nächstgelegenen Populationen in Ungarn östlich der Theiss. Inwieweit diese genetische Isolation Auswirkungen hat, untersucht Tiefenbach derzeit mit Kollegen des Naturhistorischen Museums Wien (NHM).

In Österreich steht die mit ihren türkis- und azurblauen Federn fast exotisch anmutende Blauracke laut Vogelschutzorganisation BirdLife vor dem Aussterben, die letzten Brutvorkommen seien auf Einzelexemplare geschrumpft. Früher war der Vogel weitverbreitet, im Flach- und Hügelland der Süd- und Oststeiermark ebenso wie im Burgenland, dem Klagenfurter Becken, dem Weinviertel und im Marchfeld, erklärt Tiefenbach.

"Im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft sind die Bestände dann massiv zurückgegangen", sagte der Blauracken-Experte. Benötigen würde der Vogel ein reichhaltiges feinstrukturiertes Mosaik aus verschiedenen Bewirtschaftungsformen, mit hohem Anteil an extensiv bewirtschafteten Grünland.

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