So, 22. Juli 2018

Chaotische Griechen

25.11.2015 12:30

"Stromberg" auf dem "Highway To Hellas"

Dieser Dialog sagt eigentlich schon alles. Fragt der deutsche Bankangestellte Jörg Geissner entgeistert den Ladenbesitzer Panos: "Hast Du keinen Dübel?". Antwortet Panos, der in seinem Laden auf einer griechischen Insel gerade einen Nagel in die Wand schlägt: "Dübel ist was für Deutsche, ein Grieche nagelt." Soweit, so cool - bis das Bild von der Wand fällt. Doch wen stört's?

Panos ganz bestimmt nicht: "Ach scheiß drauf!". Doch Geissner ist weniger entspannt. Er soll für seine Bank auf der Insel Paladiki die Sicherheiten von Krediten überprüfen. "Highway to Hellas" (Kinostart: 27. November) heißt der Gute-Laune-Film zur viel diskutierten Finanzkrise, in dem Christoph Maria Herbst als steifer Finanzbürokrat im griechischen Chaos verzweifelt - und an dem in Deutschland aufgewachsenen Frauenhelden Panos (Adam Bousdoukos).

Regisseur Aron Lehmann zeigt ein Land, von dem Touristen aus aller Welt träumen. "Galapagos in Griechenland", Sehnsuchtsziel solventer Ökotouristen, soll die Insel Paladiki einmal werden. Sandstrände, blaues Meer, verschlafene kleine Dörfer, Ziegen, wunderschöne Natur und traumhafte Sonnenuntergänge. Und eigensinnige Inselbewohner, die die alltäglichen Probleme in ihrer Idylle mit bewundernswerter Lockerheit angehen.

Für den stocksteifen Deutschen Geissner mit Anklängen an Herbsts Paraderolle "Stromberg" haben sie nicht viel übrig. "Der will sein Geld", ereifert sich einer der alten Männer im Café und spuckt wütend aus. Damit hat er nicht ganz unrecht. Denn der Bankangestellte soll untersuchen, ob es das Elektrizitätswerk und das Krankenhaus wirklich gibt. Schließlich soll beides den Kredit absichern, den die Bank vor langer Zeit gewährt hat. Für die Griechen eine Katastrophe, doch sie lassen sich nicht unterkriegen und überlegen, wie sie auf die Schnelle ein Elektrizitätswerk aus dem Boden stampfen können - oder zumindest dessen Fassade.

Natürlich spielt der Film mit vielen Klischees rund um die deutschen Bürokraten und die lockeren Griechen. Doch was auf den ersten Blick stereotyp erscheinen mag, birgt doch auch ein Körnchen Wahrheit und lässt erahnen, warum es so kompliziert ist, die Finanzkrise zu meistern. Außerdem ist es komisch, wie die Welten aufeinanderprallen.

Etwa, wenn eine der allgegenwärtigen Ziegen ihren Kopf durchs Fenster steckt und anfängt, irgendein Papier aufzufressen. "Kein Problem, das war nur die Steuererklärung von meinem Cousin", will der Bürgermeister Spyros (Akillas Karazisis) den fassungslosen Geissner beruhigen. Doch der Bankmensch kann nicht so locker sein, dafür sorgt sein Chef, der ihn gewaltig unter Druck setzt. Kein Wunder, dass Geissner als "Fleischgewordene Excel-Tabelle" durchs Leben läuft, wie Herbst seine Figur selbst beschreibt.

Ziemlich rasch gerät die Dienstreise für den ordnungsliebenden Deutschen zum Höllentrip, zum "Highway to Hellas" eben, dafür sorgen renitente Ziegen, sture Eseln und bisweilen absurd chaotische Zustände. Doch irgendwann kommt der Punkt, wo er sich eingestehen muss, dass das Leben in Griechenland auch seine schönen Seiten hat. Und dass es mehr im Leben gibt als Profit und exakte Zahlenreihen.

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