13.06.2006 18:31 |

BAWAG-Krimi

Ermittler suchen ÖGB-Geld

Der Wirtschaftskrimi rund um die BAWAG und den ÖGB könnte um ein weiteres Kapitel reicher werden. Die Ermittler suchen fieberhaft nach dem Ursprung der Milliardenschulden und spektakulären Verluste. Im Gerede sind mögliche Ostblock-Geschäfte aus den 80er-Jahren. Aber auch Vermögenswerte, die im Notfall zu Barem gemacht werden können, werden gesucht.

Seit Wochen halten sich Spekulationen, wonach Wurzeln der Entwicklungen, die zum Teil mit karibischen Riesenverlusten geendet haben, auf Geschäfte mit dem ehemaligen Ostblock zurückgehen könnten.

Wo ist die Kohle?
Nachgegangen wird demnach auch alten Kontoverbindungen, die in die zweite Hälfte der 80er Jahre datieren könnten. Auch von einstigen Russland-Geschäften der alten Garde und ihrer Geschäftspartner ist die Rede. Bestätigt wurde das bisher nach außen von niemand.

Unzählige Stiftungen, die oftmals in Steueroasen gegründet wurden, könnten nicht nur Verluste, sondern aber noch wertvolle Finanzressourcen umfassen. Die Spurensuche soll dem Vernehmen nach auch auf Versicherungsvereinstöchter konzentrieren. Deren Vermögen ist aber - weil sie als eigentümerlos gelten - niemandem zuzurechnen.

Verkauf der BAWAG nicht vor Nationalratswahl
Vorrangiges Ziel des ÖGB ist unterdessen der Verkauf seiner Bank. In Regierungskreisen, aber auch in der Bankwirtschaft, wird erwartet, dass sich der Verkauf der BAWAG bis nach der Wahl ziehen wird.

Finanzminister Grasser erteilte Spekulationen eine Abfuhr, er würde einen Verkauf der Gewerkschaftsbank an hochspekulative Finanzinvestoren nicht billigen. „Das würde dem ganzen Skandal ja noch die Krone aufsetzen", so der Minister. Dem „Rettungspaket“ entsprechend muss der ÖGB die BAWAG bis Juli 2007 zu 100 Prozent verkauft haben.

Irritiert und verärgert zeigte sich Grasser über Aussagen von ÖGB-Präsident Hundstorfer, wonach im Herbst 2005 bewusst zu Konstruktionen gegriffen wurde, die die BAWAG für einen Verkauf im Jahr 2008 herausputzen sollten. Der Minister verlangte vom ÖGB, mit offenen Karten zu spielen.

Hundstorfer fühlt sich reingelegt
Hundstorfer verteidigte hingegen das Konstrukt, will aber mit seiner Unterschrift im September 2005 nicht gleichzeitig auch die Übernahme von 1,5 Mrd. Euro Schulden von der BAWAG an den ÖGB abgesegnet haben. Er habe damals nur seinen Amtsvorgänger Verzetnitsch bei der Fusionshauptversammlung von BAWAG und P.S.K. vertreten.

Allerdings fragt sich Hundstorfer immer mehr, ob er in der ganzen Angelegenheit nicht reingelegt worden sei. Er werde das Gefühl nicht los, absichtlich zur Hauptversammlung geschickt worden zu sein, meinte Hundstorfer. Er habe Verzetnitsch vor einiger Zeit auch über „diese Legerpartei“ befragt. Sein Vorgänger habe ihm darauf versichert, dass er damals „wirklich keine Zeit“ für die Hauptversammlung gehabt habe.

Für SPÖ ist Situation „erschütternd
Die SPÖ versucht inzwischen, sich von der ÖGB-Vergangenheit abzugrenzen. Für die zweite Nationalratspräsidentin Prammer ist die Situation von BAWAG und ÖGB „erschütternd“, politisch sei „ein großer Schaden eingetreten“. ÖGB-Präsident Hundstorfer mache aber seine Sache „ganz vorzüglich“, vor allem weil jetzt Transparenz in der Sache gefordert sei. Die Verantwortlichen für das Debakel seien zur Rechenschaft zu ziehen.

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