Sa, 18. August 2018

Vor 7500 Jahren

11.11.2015 13:01

Steinzeitbauern brachten Bienen nach Österreich

Bienen wurden von den Menschen schon früher aus Afrika nach Europa verschleppt als bisher angenommen. Das berichtet ein Wissenschaftler-Team mit österreichischer Beteiligung. Steinzeitbauern haben sie im Nahen Osten schon vor 9000 Jahren gehalten und dann nach Mitteleuropa und England gebracht, so die Forscher im Fachmagazin "Nature". In Österreich gibt es die fleißigen Insekten mindestens seit 7500 Jahren.

Um die Ernährungsgewohnheiten der Menschen in der Jungsteinzeit zu studieren, hatten die Forscher die Überreste von 6400 prähistorischen Keramikgefäßen nach Fettresten untersucht. Dabei fanden sie dort auch Spuren von Bienenwachs, erklärte Peter Stadler vom Naturhistorischen Museum (NHM) Wien und dem Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie der Universität Wien. "Von unserer Ausgrabungsstätte in Brunn am Gebirge, Flur Wolfholz, haben wir jetzt in 7500 Jahre alten Töpfen den ältesten Nachweis des Bienenwachses in Mitteleuropa, und im Nahen Osten konnte es in 9000 Jahre alten Gefäßen gefunden werden", sagte er.

Bienen kamen mit Menschen aus Afrika
"Die Bienen sind nicht alleine aus Afrika gekommen, sondern mit dem Menschen", so Stadler. Primär waren die jungsteinzeitlichen Bauern wohl am Honig interessiert, sie haben aber auch das Wachs verwendet, um etwa ihre Keramiktöpfe zu imprägnieren und wasserundurchlässig zu machen. Während Honigspuren aus der Steinzeit kaum nachzuweisen seien, wären die Wachsreste recht gut erhalten und hinterlassen einen eindeutigen "chemischen Fingerabdruck".

Aus genetischen Daten wusste man schon, dass die Honiglieferanten wohl in zwei Wellen aus Afrika eingeführt wurden, doch anhand dessen konnte man keine Jahreszahlen bestimmen. "Wir interpretieren unsere Funde so, dass eine dieser Einwanderungswellen nach Europa offensichtlich mit den ersten Bauern über den Nahen Osten stattgefunden hat", sagte Stadler.

Die ältesten Spuren von Bienenwachs fanden die Forscher in Töpfen aus Anatolien, sie stammen aus der Zeit um 7000 vor Christus und sind damit etwa 9000 Jahre alt. Wenig später tauchte es am Peloponnes auf (5800 v. Chr.) und bald auch in Rumänien (5500 v. Chr.), Serbien (5300 v. Chr.), Österreich (5500 bis 5400 v. Chr.) und Deutschland (5360 bis 5220 v. Chr.). In Österreich waren Topfscherben der "Linearbandkeramik" damit imprägniert. Diese Daten schieben die Nutzbarmachung der fleißigen Insekten in Bezug auf frühere Annahmen etwa 1500 Jahre weiter zurück in die Urgeschichte, so die Forscher.

Auch auf der britischen Insel waren bereits in der Steinzeit Gefäße mit Bienenwachs versehen worden, berichten sie. Dies widerlege, dass die Bienen dort erst viel später eingeführt wurden. Allerdings sind die Funde auf den südlichen Teil Englands beschränkt; in Schottland, Irland, Finnland und Skandinavien habe man keine Hinweise auf jungsteinzeitliches Bienenwachs gefunden. Nördlich des 57. Breitengrades (der etwa durch Dänemark läuft) waren die Bedingungen zu dieser Zeit wohl generell zu rau für die Insekten.

Auch in Nordafrika wurden damals Bienen gehalten
Zusätzlich halte man die ersten Beweise in Händen, dass damals in Nordafrika Bienen gehalten wurden, denn auch in Algerien fanden sie Tonscherben mit Wachs. Die Bienenzucht würde all diesen Daten nach eng mit den ersten Bauern-Gemeinschaften auf der Erde verknüpft sein, dies wäre der Beweis für einen der ersten Domestizierungsprozesse, so die Forscher. Heute sind die einst aus der Fremde eingeschleppten Tiere aus der europäischen Landwirtschaft kaum mehr wegzudenken und daher ökologisch und ökonomisch für die Menschen enorm wichtig.

Die neuen Erkenntnisse haben auch Einzug in die Steinzeit-Ausstellungsräume des NHM gefunden, wo man seit Kurzem etwa die Einwanderungswellen der Bienen auf einer Computersimulation betrachten könne, erklärte Stadler.

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