Mo, 18. Juni 2018

Musikverein Graz

04.09.2015 14:04

Motiviert trotz Kürzungen

Es ist das Jahr eins nach dem 200-Jahr-Jubiläum. Die 201. Saison des Musikvereins ist zugleich der Ausklang der Feierlichkeiten wie eine Rückkehr zur Normalität. Eine Normalität, die freilich „Weltklasse“ bedeutet. In der Saison 2015/16 holt man Künstler wie Anna Netrebko, Philippe Herreweghe, Leo Nucci, Elisabeth Kulman und viele, viele andere. Wir sprachen mit dem Generalsekretär Michael Nemeth über die Auf und Abs im Klassik-Business.

Das Land Steiermark hat die Förderung des Musikvereins um 18 Prozent gekürzt – von 244.000 auf 200.000 €. Was haben Sie sich gedacht, als Sie das erfahren haben?
"Ich war nicht unvorbereitet, weil wir vorher schon Gespräche geführt hatten, es war eine Art zeitlich verschobener Schock. Dass es uns während des Jubiläums passiert, das ohnehin ein Kraftakt in jede Richtung war – da habe ich mich dann schon gefragt, warum man uns kürzt. Jetzt haben wir einen Dreijahresvertrag, was Planungssicherheit gibt, aber es fehlen fast 150.000 € auf drei Jahre."
Welche Konsequenzen hat das für das Programm?
"Die Üppigkeit des Festprogramms hätten wir ohnehin nicht beibehalten können, aber unsere drei Schwerpunkte bleiben: die Internationalität, die Jugendförderung sowie eine Schiene, in der wir die Menschenrechte thematisieren."
Die Zahl der Konzerte bleibt gleich?
"Ich hoffe, dass es nicht viel weniger wird. Das Publikum wird von den Kürzungen hoffentlich kaum etwas mitkriegen."
Haben Sie das Gefühl, dass es Klassik bei Förderstellen nicht mehr so leicht hat?
"Ich denke, dass sich Events und Großveranstalter leichter tun. Dabei ist der Musikverein ja auch ein Wirtschaftsfaktor für Graz. Unsere Arbeit passiert eher im Hintergrund, dafür ist sie konsequent. Wir bringen Nächtigungen, haben Zigtausende Besucher. Wir werden als selbstverständlich angenommen, aber man sollte einmal die Rechnung anstellen, was wäre, wenn wir wegfielen."
Es heißt allerdings, der Verein hätte ohnehin viel Geld durch Einnahmen und durch Rücklagen.
"Das wird immer behauptet. Vier Fünftel unseres Budgets kommen aus Eintritten und Sponsoring. Wir haben Rücklagen, die müssen wir haben, wegen unserer notwendigerweise langfristigen Planung. Ich muss heuer die Rücklagen angreifen, sonst hätte ich wegen der Kürzungen etwas absagen müssen."
Ist es überlebensnotwendig, internationale Stars zu holen, um auch die Sichtbarkeit zu erhöhen?
"Ja, das ist schon die Zukunft, dass wir neben Abos auch Sonderkonzerte anbieten."
Wie holt man solche Stars? Klar, die bekommen Geld für ihre Auftritte, aber das würden sie anderswo auch kriegen.
"Bei uns – und auch in Wien – werden die gar nicht so gut bezahlt wie woanders. Viele Künstler schätzen das Publikum hier, gerade wenn man an die Liederabende denkt. Und das Jubiläumsjahr war auch eine Investition in die Zukunft, was den Ruf des Musikvereins in der Klassikwelt betrifft."
Aber dass man Leute wie Jonas Kaufmann und Anna Netrebko nach Graz holt, dafür braucht es doch Geschick.
"Naja, das ist ja mein Job. Für solche Projekte braucht man aber Sponsorpartner. Sonst ginge sich das finanziell nicht aus."
In der weiten Klassikwelt nicht unterzugehen, das ist dennoch nicht so einfach?
"Wir wollen auch inhaltlich Eigenständiges anbieten. Wir haben jetzt eine Symphonie für Menschenrechte in Auftrag gegeben, die von Kompositonsstudierenden der Grazer Kunstuni geschrieben werden soll. Wir wollen uns jedes Jahr mit Projekten den Menschenrechten widmen. Man sieht ja derzeit täglich, wie drängend das Thema ist."
Leidet Ihre Motivation eigentlich an solchen Dingen wie Kürzungen?
"Manchmal, aber es gibt keinen Job, der perfekt ist."
Welche Ziele gibt es noch?
"Die Zusammenarbeit mit der Grazer Oper wird wieder intensiver: Die Grazer Philharmoniker sollen ab 2016/17 wieder fünf Doppelkonzerte spielen, zwei dirigiert von Dirk Kaftan. Eventuell wollen wir die Gesprächskonzerte ausbauen, unbekanntere Werke präsentieren."
Und wenn Geld keine Rolle spielen würde?
"Würden wir gern ein größeres Events außerhalb des Stefaniensaals machen, wie eine Open-Air-Sache, etwa vor Schloss Eggenberg. Aber wenn, dann mit steirischen Kräften – ein Großprojekt als Regionalprojekt!"

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