Mi, 18. Juli 2018

Käufer bleiben aus

14.07.2015 09:26

Deutsche Autohersteller in China stark unter Druck

Man kann noch nicht davon sprechen, dass die deutschen Premiummarken chinesischen Kunden die Autos "hinterherwerfen", aber nach den Turbulenzen am chinesischen Aktienmarkt stehen die Preise deutscher Luxusautos dort ordentlich unter Druck. Chinas Autohändler berichten von immer höheren Preisnachlässen, mit denen sie die vom Wertverlust ihrer Aktiendepots gebeutelte Kundschaft zum Kauf eines neuen Wagens bewegen müssen.

In den vergangenen vier Wochen hätten 20 bis 30 Prozent weniger Kunden die Verkaufsräume von Mercedes-Benz aufgesucht als vor einem Jahr, sagte ein Manager einer größeren Händlergruppe.

Der Leiter einer Handelsgruppe, die ein Dutzend Schauräume von BMW in der Volksrepublik betreibt, sagte, die Geschäfte seien bereits in den vergangenen 18 Monaten schleppend gelaufen, doch inzwischen seien noch größere Kaufanreize erforderlich. "Wenn die Leute jetzt in den Verkaufsraum kommen, denken sie nicht daran, ihre Portemonnaies zu öffnen, wenn die Preisnachlässe unter 15 Prozent liegen." Davor seien lediglich fünf Prozent Preisabschlag üblich gewesen.

Die steigenden Rabatte drohten inzwischen die Gewinne aufzuzehren, sagte Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY. Er sehe derzeit jedoch nicht, dass die Autobauer ihre Investitionen in China überdenken müssten. Das Wachstum falle zwar geringer aus als ursprünglich erwartet. Der Hunger der Chinesen nach individueller Mobilität werde jedoch dafür sorgen, dass der Pkw-Markt dort weiter wachse.

40 Prozent weniger Gewinn etwa bei BMW
Dennoch drohen die höheren Rabatte bereits Spuren in den Bilanzen zu hinterlassen: Der chinesische BMW-Partner Brilliance warnte, der Gewinn des ersten Halbjahres werde um bis zu 40 Prozent schrumpfen, weil die Geschäfte des Joint-Ventures mit den Münchnern schlechter liefen. Die BMW-Aktien büßten daraufhin nahezu ihren gesamten Kursgewinn ein.

Als Grund für den Gewinnrückgang nannte Brilliance höhere Vertriebskosten angesichts der Konjunkturschwäche in China sowie Kosten im Zusammenhang mit neuen Modellen und Produktionsstätten. BMW erklärte, die aktuelle Geschäftsentwicklung in China stelle eine Herausforderung dar. Dennoch bleibe der Konzern zuversichtlich, da die mittel- bis langfristigen Wachstumsperspektiven attraktiv seien. Brilliance ist zur Hälfte an dem Joint-Venture mit BMW beteiligt und baut Autos für die weiß-blaue Marke. In China müssen ausländische Autohersteller mit einem einheimischen Konkurrenten kooperieren.

An Chinas Börsen waren die Kurse in den vergangenen Wochen dramatisch abgesackt. Dies trifft auch viele Verbraucher, die an der Börse spekuliert haben und nun weniger Geld für kostspielige Anschaffungen wie Autos von BMW, Audi oder Mercedes-Benz haben. Nach massiven staatlichen Interventionen erholte sich der Aktienmarkt in der vergangenen Woche wieder. Dennoch schraubte der chinesische Branchenverband seine Absatzprognose für den weltgrößten Automarkt von sieben auf nur noch drei Prozent zurück. Der Wachstumsrückgang trifft die deutschen Autobauer wegen ihres hohen Marktanteils im Reich der Mitte besonders.

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