Mi, 22. August 2018

TTV-Boss Falkner:

04.06.2015 18:11

"Steuerreform gefährdet 1100 Arbeitsplätze!"

Wie wirkt sich die geplante Steuerreform auf den Tiroler Tourismus aus? Das wollte Josef Falkner, der Präsident der Tiroler Tourismusvereinigung TTV, nun ganz genau wissen und gab eine Studie in Auftrag. Demnach kosten Betriebsübergaben statt 27.000 künftig 157.000 Euro. "Uns Touristikern geht es nicht ums Jammern, sondern ums Überleben. Mit dieser Politik wird der Tourismus vernichtet", schlägt Falkner Alarm. Kritik an seinen Parteikollegen kommt auch von Franz Hörl.

Die TTV hat die Studie bei Agnes Streissler, Wirtschaftspolitische Projektberatung in Wien, in Auftrag gegeben. Darin wurden die Auswirkungen der geplanten Maßnahmen analysiert. Die wichtigsten Punkte!

Betriebsübergaben: Die geplanten Maßnahmen im Bereich der Grunderwerbssteuer würden vor allem die vielen Vier- und Fünf-Sterne-Hotels in Tirol treffen. Da künftig nicht mehr der dreifache Einheitswert als Bemessungsgrundlage, sondern der Verkehrswert bei einer Betriebsübergabe herangezogen wird, würden die Kosten von aktuell 27.000 auf künftig 157.000 Euro explodieren. "Da darf man sich dann nicht wundern, wenn sich die nächste Generation nicht für eine Weiterführung des elterlichen Betriebes interessiert", so Falkner zur "Krone".

Die Russen kommen!

Der Hotelier aus Sölden weiß aus seiner Heimatgemeinde gleich fünf Fälle. "Alleine heuer wurden bereits sechs Häuser abgerissen, für fünf davon gab es keine Nachfolger. Und jetzt steht auch noch das ,Rosengarten’ mitten im Ort zum Verkauf", so Falkner. Die Folge: Entweder werden die leerstehenden Häuser von Konzernen oder reichen Russen aufgekauft. "Das kann doch nicht im Sinne der Politik sein!"

77 Mill. Euro Schaden

Mehrwertsteuer-Erhöung bei Nächtigungen von 10 auf 13 Prozent. Das bringt dem Staat alleine aus Tirol 77 Millionen Euro, die Netto-Erlöse gehen dadurch laut Sudie im Schnitt um 3,5 Prozent zurück. Mit den Preiserhöhungen verbunden ist natürlich auch ein Rückgang der Nächtigungen. "Wenn die Erhöhung der Mehrwertsteuer zur Hälfte von den Hotels und zur Hälfte an die Konsumenten abgewälzt werden, so würde das einen jährlichen Gesamtverlust für die Tiroler Volkswirtschaft von den oben angeführten 77 Millionen Euro bedeuten. Dadurch wären 1100 Arbeitsplätze gefährdet. Das wiederum verursacht einen Schaden von mehr als zehn Millionen Euro an zusätzlichem Arbeitslosengeld und verminderten Lohn- und Sozialabgaben", so Streissler in ihrer Studie.

"Hier geht es nicht mehr ums Jammern, hier geht es um Sein- und Nichtsein des Tiroler Tourismus. Wenn wir, wie zuletzt, auch weiterhin die Arbeitslosenzahlen abfedern sollen, dann müssen diese Maßnahmen zurückgenommen werden", so Falkner weiter.

Auf die Praktiker hören

Was passiert, wenn die Politiker nicht auf die Praktiker hören, hat man zuletzt in der Steiermark und im Burgenland gesehen. Das kann auch Tourismus-Sparten-Obmann Franz Hörl unterstreichen. Und zitiert Otto von Bismarck: "Ein Volk, das seine Wirte nicht respektiert, ist es nicht wert, eine Nation genannt zu werden!" Es sei, so Hörl weiter, eben bei vielen Wirten nach Allergenen, Rauchverbot und Gegenfinanzierung eine tiefgehende Frustration vorhanden. "Wir haben das Gefühl, die Deppen der Nation zu sein. Wenn wir nicht die nächsten Wahl-Debakel riskieren wollen, müssen wir rasch über die wahren Fakten der Steuerreform aufklären und tragfähige Zukunftsimpulse setzen. Nicht alles was vordergründig gut klingt, erweist sich auch nach eingehender Prüfung als gangbarer Weg", stellt Sparten-Obmann Franz Hörl dazu klar.

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