03.04.2006 11:58 |

Prozessauftakt

Prozessauftakt gegen Ex-Libro-Chef Rettberg

Im Landesgericht Wiener Neustadt ist der Prozess gegen den ehemaligen Libro-Generaldirektor Andre Rettberg eröffnet worden. Dem 48-Jährigen, der mittlerweile als selbstständiger Unternehmensberater tätig ist, wird im Zusammenhang mit der Libro-Pleite betrügerische Krida vorgeworfen. Rettberg bekannte sich "nicht schuldig".

Rettberg habe vor bzw. im Zuge der Libro-Pleite "eine Art Fassade errichtet", damit Bestandteile seines Vermögens verheimlicht und so die Befriedigung seiner bzw. der Libro-Gläubiger zu schmälern versucht, so Staatsanwalt Johann Fuchs in seinem Eröffnungsplädoyer.

"Er ist gelernter Buchhändler"
Rettberg bekannte sich "nicht schuldig", wie sein Verteidiger Elmar Kresbach ausführte. Weder habe sein Mandant eine Firmenbeteiligung von 4,4 Millionen Euro verheimlicht noch ein Wertpapierdepot von knapp 14.000 Euro und Grundstücks-Besitz verschwiegen. Rettberg habe "lange Jahre den Libro sehr erfolgreich geführt", sei Manager des Jahres gewesen, betonte Kresbach: "Aber er ist gelernter Buchhändler. Er ist sicher kein Jurist und schon gar kein Insolvenzrechtler."

Folglich habe sich Rettberg bei den inkriminierten Vorgängen auf seine Rechtsberater verlassen, sagte der Verteidiger: "Viele Details sind nicht seinem Kopf entsprungen." Zwei der ehemaligen Wirtschaftsanwälte - 58 und 38 Jahre alt - sind daher als Beitragstäter mitangeklagt. Laut Anklage sollen sie Vergleichsverhandlungen mit den Gläubigern Rettbergs geführt und dabei strafrechtlich bedenkliche Lösungsansätze gefunden haben.

"Verschwörungstheorie"
Auch die Verteidiger der Mitangeklagten wiesen diese Vorwürfe entschieden zurück. Sie bezeichneten die Anklage als "diffus", orteten eine "Verschwörungstheorie" bzw. "Legendenbildung".

Foto: Andi Schiel

Sonntag, 13. Juni 2021
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