Di, 21. August 2018

Tests in der Schweiz

14.04.2015 06:00

Forscher arbeiten an Pädophilie-Detektor

Forscher in Zürich und Basel arbeiten an einem Gehirntest, der Pädophile erkennen soll. Damit könnte genauer eingeschätzt werden, wie gefährlich ein Straftäter ist. 43 Männer haben in Basel bereits an dem Experiment teilgenommen: 20 verurteilte Straftäter, die Kinderpornografie konsumiert oder Kinder missbraucht hatten, sowie 23 Normalbürger. Sie alle ließen sich an Kopf und Fingern verkabeln und lösten Testaufgaben. Dabei wurden sie beispielsweise durch Kinderfotos abgelenkt, worauf erfasst wurde, wie stark die Ablenkung ausfiel. Das Vorhaben weckt aber auch Ängste - etwa vor präventiven Tests.

Die "SonntagsZeitung" und "Le Matin Dimanche" hatten am Sonntag erstmals über die Experimente berichtet. Sie werden von Forschern der universitären psychiatrischen Kliniken Basel durchgeführt. Das Projekt wird vom Bundesamt für Justiz finanziell unterstützt, wie Sprecher Folco Galli auf Anfrage bestätigte. Parallel zum Basler Projekt bereiten auch Forscher der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich solche Tests vor.

"Unbehagen über heutige Methoden"
Hintergrund der Experimente sei ein Unbehagen über die heutigen Methoden, mit denen die Gefährlichkeit von Tätern eingeschätzt wird, sagten Forscher beider Projekte. "Es ist schwierig, pädophile Neigungen zu erfragen oder zu messen, wenn der Proband nicht bereit ist, darüber Auskunft zu geben", erklärte Andreas Mokros, der das Projekt in Zürich leitet. Marc Graf, Direktor der forensischen psychiatrischen Klinik in Basel und Leiter des dortigen Forschungsprojekts, weist auf dasselbe Problem hin: "Wenn ein intelligenter Mensch während eines Therapieverlaufs versichert, er habe keine Kinderfantasien mehr, weiß man nicht, ob das stimmt."

Test auch als Chance für Inhaftierte
Mit dem Test, der jetzt entwickelt werde, hoffe man, die Objektivität eines Befundes wesentlich verbessern zu können, sagte Graf. Verlaufen die Versuche weiterhin erfolgreich, wäre der Einsatz dieses Detektors im Strafverfahren oder im Strafvollzug denkbar, glauben die Forscher. Für gewisse Inhaftierte könnte der Test auch eine Chance sein, sagten die Projektleiter. Sie sprechen wegen Kindesmissbrauchs verurteilte Täter an, die an sich keine pädophilen Neigungen haben. Diese könnten mit einem solchen Test zeigen, dass sie nicht pädophil sind. Wenn der Grund für einen Missbrauch jedoch pädophile Neigungen seien, sei das Rückfallrisiko besonders hoch, erklärte Mokros. "Es scheint deshalb bei Ersttätern sinnvoll, herauszufinden, ob sie eine pädophile Präferenz haben oder nicht." Dies könne helfen, die Rückfallgefahr abzuschätzen.

"Es darf keine verdachtsunabhängige Untersuchung geben"
Mokros und Graf sind sich der Brisanz ihres Unterfangens bewusst. Die Experimente wecken Schreckensvisionen von flächendeckenden Gehirntests ohne Anfangsverdacht, von der systematischen Vermessung des menschlichen Gehirns nach allfälligen kriminellen Neigungen. Von der "SonntagsZeitung" und "Le Matin Dimanche" befragte Richter äußerten auch grundsätzliche Bedenken. "Es darf keine verdachtsunabhängige Untersuchung geben", sagte der Forensiker Mokros und mahnte generell zur Zurückhaltung. Die Tests müssten möglichst lange im Forschungsstadium bleiben, bis ihre Zuverlässigkeit hinreichend bestätigt sei. Und selbst dann dürften sie nur als ein zusätzliches Element in einer ganzen Reihe von Untersuchungen eingesetzt werden.

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