24.03.2006 16:35 |

Tötung auf Wunsch

Pensionist erschoss seine Frau auf ihren Wunsch

Ein 80-jähriger Rentner ist am Freitag vom Schwurgericht München wegen Tötung seiner schwer kranken Frau auf deren Verlangen zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der Angeklagte hatte die unter Osteoporose und einer Hautkrankheit leidende depressive 75-Jährige im vergangenen September auf ihren Wunsch hin erschossen. Anschließend wollte er sich selbst töten. Doch dazu fehlte ihm dann jedoch der Mut. "Das ist meine Schuld", sagte er vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft, die den Rentner wegen Totschlags angeklagt hatte, plädierte bereits auf Tötung auf Verlangen. Sie akzeptierte das Urteil ebenso wie der Rentner. Aussagen von Ärzten und Psychologen belegen, dass es der Kranken mit ihrem Todeswunsch ernst war. Ein Zeuge nannte das seit über 50 Jahren glücklich verheiratete Paar "ein Lebewesen mit zwei Köpfen".

Getötete Frau hatte erfolglos versucht, sich selbst zu töten
Die Erkrankung der Frau hatte sich Ende 2004 verschlechtert. Im Sommer 2005 musste sie wegen ihrer schweren Depressionen in eine psychiatrische Klinik, wo sie sich mit Schlaftabletten und Schmerztabletten das Leben zu nehmen versuchte.

Ehepaar wollte gemeinsam aus dem Leben scheiden
Für das Wochenende vom 23. bis 25. September 2005 holte der Angeklagte seine Frau zum Kurzurlaub in die gemeinsame Wohnung. "Spätestens jetzt wurde der Entschluss gefasst, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden", sagte der Vorsitzende. Das Paar fuhr Sonntags in den Wald bei Fürstenfeldbruck und musste bei herrlichem Herbstwetter lange nach einem stillen Platz für sein Vorhaben suchen.

Die Frau hatte keine Kraft, sich selbst zu richten
Die 75- Jährige habe nicht mehr die Kraft gehabt, den Revolver selbst zu heben. Ihr Mann habe sich auf den Rücksitz gesetzt, die Waffe an ihre rechte Schläfe gehalten und abgedrückt. "Der Zustand seiner Frau war in seinen Augen unheilbar", so der Richter. "Aus seiner Sicht konnte er ihr Todesverlangen ernst nehmen."