¿Am Ziel¿

Monstermonolog für Muttertier

Thomas Bernhard nennt „Am Ziel“ eine Komödie. Tatsächlich ist es ein Monstermonolog für ein Muttertier, das sich zwei mehr oder weniger sprachlose Stichwort-Geber hält. Die Größe des Dramas liegt an dem Witz, den Bernhard vor allem rund um den „dramatischen Schriftsteller“, sein Alter Ego, herbeischreibt.

Der wohlwollende und lang anhaltende Applaus nach der Premiere in den Linzer Kammerspielen galt der Leistung von Silvia Glogner. Über weite Textstrecken bestreitet sie das Spiel (?) - wenn auch sehr leise und bisweilen etwas textundeutlich - ganz alleine. Sie wetzt ihre in Wodka getränkte (un-)feine Klinge, pflegt ein gut geöltes mütterliches Schandmaul als Unternehmerwitwe, die ihren kapitalistischen Mann finanziell ausgesaugt hat und sich nach wie vor emotionell bei ihrer Tochter schadlos hält. Nicole Coulibaly tänzelt gekonnt über den schmalen Grat zwischen sprechen müssen und schweigen wollen.

Dass diese Balance trotz des verbalen Ungleichgewichtes so ausgewogen scheint, ist der Regie von Sabine Mitterecker zu verdanken. Sie gesteht dem Mutter-Tochter-Universum einen beinahe boulevardesken Ton zu, der den schweren Bernhard-Text geradezu entspannt und vor allem den Witz herausarbeitet. Wie heißt das Stück im Stück so schön? „Rette sich, wer kann“…

Dritter im Bunde, eben der dramatische Schriftsteller, ist Lutz Zeidler: Kurzzeitgast im Leben der beiden Damen. Nicht mehr und nicht weniger.

„Am Ziel“: weitere Vorstellungen am 21., 22., 25., und 29. März in den Kammerspielen.

 

 

Foto: Brachwitz

Sonntag, 13. Juni 2021
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