07.03.2006 09:13 |

Willen gebrochen

Tochter 17 Jahre lang missbraucht

Die 25-jährige Wienerin versucht ein normales Leben zu führen, doch das fällt sehr schwer. Albtraumhafte Bilder aus der Vergangenheit tauchen plötzlich auf. Da sieht sie ihren Vater, wie er sich über sie beugt, sie betastet, missbraucht, vergewaltigt. Als Kleinkind, als Jugendliche, als Erwachsene. 17 Jahre lang.

"Was Sie in den folgenden Tagen zu hören bekommen, wird sehr belastend sein", bereitet Staatsanwältin Michaela Schnell die Geschworenen auf den Prozess vor: "Das Opfer hat ein Martyrium vom Kindergartenalter an durchgemacht."

Schon mit vier Jahren hätte sie ihr Vater, heute 61 Jahre alt, erstmals in der Dusche missbraucht, später dann entjungfert. "Sie wollte nie zum Frauenarzt gehen", berichtet die Mutter heute: "Als sie mir mit 21 Jahren von dem Missbrauch erzählte, von dem ich zuvor keine Ahnung gehabt habe, hat sie mir den Grund gesagt: Sie hat sich geniert, dass sie selbst als junges Mädchen keine Jungfrau mehr war."

Laut Anklage verkaufte der Vater sein Kind auch an Freunde. Kassierte wie ein Zuhälter jeweils 1.500 Schilling für einen Besuch. Und soll Martina (Name geändert) mit den Worten beruhigt haben: "Du kriegst eine Barbie-Puppe, wenn du stillhältst."

"Man hat ihren Willen gebrochen"
"Wie ist es möglich, dass sich das Mädchen auch als Erwachsene nie gewehrt hat?", will Richter Thomas Schrammel von der Psychotherapeutin wissen, die Martina behandelt. "Man hat ihren Willen gebrochen, da ist so etwas nachvollziehbar", sagt die Expertin: "Sie war wie ferngesteuert. Wenn ihr Vater sagte 'Gehen wir ins Schlafzimmer', ist sie mitgegangen."

Und was sagt der Angeklagte? Der hat einmal den Missbrauch zugegeben und die Worte hinzugefügt: "Ich habe es genossen." Doch dieses Geständnis hat er nach nur fünf Tagen widerrufen. Und jetzt vor Gericht bestreitet er auch alles. Dem Angeklagten drohen bis zu 15 Jahren Haft. Ein Urteil wird bis Donnerstag erwartet.

Von Peter Grotter
Foto: Symbolbild

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