So, 22. Juli 2018

Starker Trend

16.12.2014 10:54

Wohnen als das neue Lebensglück

Kräftig gestiegen sind die Ansprüche, die an modernes Wohnen heute gestellt werden. Denn weit über Komfort- und Behaglichkeitsaspekte hinaus, wird Wohnen zur wichtigsten Definition der Lebensqualität und des Lebensglücks schlechthin. Ein Trend, der nicht auf Österreich beschränkt ist.

Das richtige Leben spielt sich in den eigenen vier Wänden ab! So kann der derzeit international vorherrschende Wohntrend zusammengefasst werden. Wesentlich mehr als in der Vergangenheit stellt heute der Wohnraum und seine Ausgestaltung den bei Weitem nicht nur wichtigsten, privaten Rückzugsort dar, sondern im kostbaren Daheim soll auch ausreichend Kraft und Ruhe für die Bewältigung des immer stressiger werdenden (Berufs-)Alltags gesammelt werden. Plus: Wohnen gewinnt als wichtiger Imagefaktor und Statussymbol gegenüber Freunden und Bekannten ebenfalls stark an Bedeutung!

"Homing" statt "Cocooning"
International wird dieser große aktuelle Wohntrend als "Homing" bezeichnet, der das "Cocooning" ablöst. Der Unterschied besteht darin, dass sich beim "Cocooning" (aus dem Englischen: verpuppen, sich in einen Kokon einspinnen) alles um den Rückzug auf und in das privateste Umfeld drehte. Der Begriff selbst wurde bereits in den 80er-Jahren von der bekannten Trendforscherin Faith Popcorn als Ausdruck für einen bestimmten Lebens- und Wohnstil geschaffen. Wirklich populär wurde der Wohntrend Cocooning allerdings erst nach den Terroranschlägen 2001. Deshalb wird Cocooning soziologisch als Antwort auf eine immer bedrohlicher empfundene Außenwelt empfunden.

Wesentlich gemütlicher und geselliger geht es da schon beim Homing zu: Das Zuhause wird zum sozialen Lebensmittelpunkt, Freunde und Bekannte sind herzlich willkommen, Feste werden gefeiert, wie sie fallen – und wann immer sich ein Anlass dazu bietet. Gemeinsame Kochabende in der möglichst offenen und großzügigen Küche sind ebenso gefragt wie lange Heimkino-Abende.

"Auf der Suche nach dem Lebensglück"
Noch einen wesentlichen Schritt weiter geht der bekannte heimische Markt- und Trendforscher in Sachen Bauen und Wohnen, Werner Beutelmeyer, Geschäftsführer des market Institutes Linz, allerdings in Sachen aktuelle Wohn-Entwicklung in Österreich.

Seiner Ansicht nach geht der Trend eindeutig dahin, dass Wohnen ganz allgemein mit Lebensglück verbunden wird. "Wir leben in einer Zeit des Wertewandels. Der Einzelne tritt stärker hervor, die verschiedenen Lebensphasen sind nicht mehr so geordnet wie früher. Und vor allem: Unsere High-Speed-Gesellschaft ist geprägt von Beschleunigung und zunehmender Oberflächlichkeit. Gleichzeitig führt dies dazu, dass misstrauische Haltungen und Lebensängste zunehmen. Die moderne Risikogesellschaft sucht daher Wohnsicherheit, Beständigkeit und Langlebigkeit. Kurz: Wohnglück definiert Lebensglück", so Beutelmeyer.

Wichtigster Kraftort und "Bühne für das Ich"
Wohnen soll also all das bieten und ersetzen, was in der stressigen Außenwelt allzu oft einfach auf der Strecke bleibt: Entschleunigung, Ruhe und positive Lebensenergie. Dementsprechend treten Fragen der Architektur und der Einrichtung verstärkt in den Vordergrund. Der perfekt gestylte Wohnraum – von gemütlich bis elegant – soll aber nicht nur Ausdruck des eigenen Egos sein, sondern auch gleichzeitig eine "Bühne für den sozialen Auftritt im Freundes- und Bekanntenkreis" bieten. Kurz: Man will stolz darauf sein, wie man wohnt – und dies auch dem Umfeld zeigen.

Die Einrichtungsbranche wird es freuen, denn so richtig zufrieden mit dem (materiell) geschaffenen Wohnglück sind nur die wenigsten: Laufend soll daher der kostbare Wohnraum nicht nur bewahrt, sondern vor allem auch verbessert werden. Zumindest so lange, wie es das Haushaltsbudget zulässt.

Vorsorgeaspekte immer wichtiger
Doch nicht nur emotionale Aspekte beschäftigen die Sucher nach dem Wohnglück. "Auch rationale Kriterien werden nicht vergessen. Denn der hochwertige Wohnraum gewinnt auch stark als Lebensvorsorge an Bedeutung", unterstreicht Beutelmeyer. Dieses Denken spiegelt sich auch in der topaktuellen "Häuslbauerstudie" des market Institutes Linz wider. Wichtig sind den heimischen Bauherrn in erster Linie die Kosten, die Stabilität (sprich: Langlebigkeit) und die Baugeschwindigkeit. Das spätere Wohnglück wird bei uns auch nicht mehr ganz so begeistert von eigener Hand geschaffen: Schlüsselfertige Baustufen klettern in der Wunschliste heimischer Bauherrn stark nach oben.

Bei den Bauweisen punktet auch dieses Jahr wiederum stark die massive Bauweise, die eine verlässliche Werterhaltung des Gebäudes am Immobilienmarkt verspricht.

Lebensängste steigen
Schönes Wohnen und alles gut? Nicht ganz. Denn diesem Trend liegen jede Menge gesteigerter Lebensängste und Unsicherheiten zugrunde. Ein guter Teil davon kann auch direkt mit dem Themenkomplex Wohnen in Verbindung gebracht werden. Wie zum Beispiel die große Frage des Wohnens im Alter sowie die zunehmende Zahl von Singlewohnungen, deren Bewohner in späteren Jahren nur allzu oft unter sozialer Isolierung und Einsamkeit leiden. Und zwar ganz unabhängig von dem sie umgebenden Wohnglück der früheren Jahre.

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