Do, 21. Juni 2018

Nach Höhlendrama

07.12.2014 08:43

Ärzte rätseln über schnelle Genesung Westhausers

Der Fall des nach einem tagelang unbehandelten Schädel-Hirn-Trauma völlig genesenen Höhlenforschers Johann Westhauser gibt Medizinern Rätsel auf. Wie kann es sein, dass der lebensgefährlich verletzte Deutsche nur wenige Wochen nach seinem Unfall wieder arbeitsfähig ist? So paradox es klingt: Womöglich kam Westhauser zugute, dass sein Abtransport aus der Höhle erst fünf Tage nach dem Unglück begann.

Nach dem Unfall in der Riesending-Höhle in Bayern im Juni hatte ein Arzt den 54-Jährigen erst nach knapp vier Tagen erreicht. Erst nach elf Tagen kam der Verunglückte in die Klinik. Normalerweise hätte der Patient sofort auf eine Intensivstation eingeliefert werden müssen. Dennoch hat Westhauser keine bleibenden Schäden davongetragen - schon nach zwei Monaten kehrte er an seinen Arbeitsplatz zurück.

Verzögerung bei der Rettung vermutlich positiv
Gerade die Verzögerung bei der Rettung könnte in diesem Einzelfall zuträglich gewesen sein. "Es gibt die Vermutung, dass es für ihn in dieser ganz speziellen Situation positiv war, dass er nicht transportiert worden ist, sondern gelegen ist", sagt Volker Bühren, der ärztliche Direktor der Unfallklinik Murnau, wo Westhauser nach seiner Rettung behandelt wurde.

Westhausers Transport begann erst fünf Tage nach dem Unfall. "Glücklicherweise traf dieser Zeitpunkt mit dem optimalen Transportstart aus medizinischer Sicht zusammen, denn der Patient hatte sich deutlich stabilisiert", so der Höhlennotarzt Thomas-Michael Schneider.

Zustand verbesserte sich während Transports
Jede Erschütterung und jede Bewegung kann bei einer Gehirnblutung die Lage verschlechtern. Als erstaunlich werten Mediziner deshalb auch, wie Westhauser den folgenden sechstägigen Transport über 1.000 Höhenmeter überstand. Er wurde teils senkrecht, teils waagrecht oder gar kopfüber getragen. "Der Patient erholte sich während des Transportes und erreichte die Oberfläche in einem besseren Zustand als beim Verlassen des Unfallorts", sagt der am Einsatz beteiligte Neurochirurg Michael Petermeyer. Er glaubt, dass gerade der Flüssigkeitsverlust mangels Infusionen an den ersten Tagen die Hirnschwellung eindämmte. "Wir gehen davon aus, dass die negative Flüssigkeitsbilanz einen günstigen Einfluss hatte."

In den ersten drei bis vier Tagen ist die Gefahr der Gehirnschwellung am größten. In welche Richtung es dann ohne intensivmedizinische Behandlung weitergeht, ist kaum vorhersagbar. Im besseren Fall geht die Schwellung zurück und die Blutung stoppt durch die Gerinnung. "Bei diesen Schädel-Hirn-Traumata gibt es immer Fälle, die deutlich besser ausgehen als man denkt - und Fälle, die schlechter ausgehen. Tatsache ist, dass über lange Zeit keine klassische Therapie möglich war. Dafür hat er sich extrem gut erholt", sagt Bühren.

Psychische Gesundheit beeindruckt die Ärzte
Die Ärzte beeindruckt auch, wie Westhauser den Unfall psychisch weggesteckt hat. Gerade in einem solchen Fall wäre eine posttraumatische Belastungsstörung mit schweren Beeinträchtigungen wie Ängsten eine wahrscheinliche Folge gewesen, meint Bühren. "Er ist ein extrem stabiler Mensch, der sich dieses Risiko, was da unten passieren kann, genau vergegenwärtigt hatte."

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