Mo, 22. Oktober 2018

Air Schwedenstahl

06.12.2014 17:00

Volvo lässt den XC90 richtig fliegen - und crashen

Volvo will sein altes Image zurück, nicht das als "Schwedenstahl", sondern das als das sicherste Auto der Welt. Nicht, dass Autos der Schweden inzwischen als unsicher gegolten hätten. Doch andere waren auch nicht müßig. Da schien es den Schweden der richtige Zeitpunkt, den Auftritt des neuen großen SUVs Volvo XC90 zu nutzen, um der Welt zu demonstrieren, wo sie noch eine Menge zu Sicherheit, Umwelt und Bedienkonzepten lernen kann.

Der XC90 stellt bei Volvo so etwas wie den "Leuchtturm" in all diesen Aspekten da. Groß ist er auch noch und sein Markteinstieg im April, Mai kommenden Jahres kann ein bisschen zusätzliche Aufmerksamkeit gut gebrauchen. Und so stellten die Schweden auf ihrem Testgelände in Göteborg einen XC90 auf die Crashtest-Anlage – und ließen ihn spektakulärerweise richtig abheben.

Der kommende XC90 soll der erste Markenvertreter sein, der mit dem so genannten "Run off Road" (Verlassen der Straße)-Schutzsystem ausgerüstet werden kann. Entwicklungschef Peter Mertens spricht vom sichersten SUV seiner Klasse und möchte in diesem Punkt einen neuen Standard setzen.

Es geht vor allem darum, den Verletzungen im Bereich der Wirbelsäule vorzubeugen, mit denen man es bei einem typischen "Graben-Unfall" meist zu tun hat. Starke Vertikalkräfte, bei denen die Insassen mit hoher Belastung immer wieder auf- und abgeschleudert werden, treten beispielsweise auf, wenn das Auto infolge des Unfalls mit hoher Geschwindigkeit auf holprigen Untergrund gerät. Ähnlich verhält es sich, wenn der Wagen von der Straße abhebt, durch die Luft fliegt, um dann hart auf dem Boden zu landen.

Diese Kräfte sind mit der Belastung eines Kampfpiloten im Schleudersitz zu vergleichen, erklärt die Techniker. Dem Phänomen begegnen die Konstrukteure mit einem extrem schnellen Gurtstraffer, der die Insassen fest in den Sitz presst und auf diese Weise stabilisiert. Dabei erkennen die Sensoren schon früh, wenn das Auto von der Straße abkommt, um die Gurte mit einem Millimeter je Millisekunde anzuziehen. Die Sitze selbst sind mit einer speziellen, wirbelsäulenschonenden Polsterung versehen, die energieabsorbierend wirkt.

Volvo als Vorreiter
Experte Richard Nilsson erläutert, dass dieser Unfallbereich bisher nicht abgedeckt wird von den konventionellen Crash-Programmen, Volvo will hier nun die Vorreiterrolle übernehmen, und hat einen Test entwickelt, der die Folgen von Grabenunfällen verdeutlichen soll. Dazu lassen die Ingenieure das SUV über eine präparierte Strecke fahren, die die Auswirkungen eines derartigen Ausrutschers simuliert. Der Crashtest startet in der Versuchshalle. Das Fahrzeug beschleunigt in der Halle, auf einer Schiene gleitend, auf 80 km/h. Sobald es die Halle verlassen hat, geht es zunächst durch eine kleine Mulde, die in etwa einem Straßengraben entspricht; dann passiert es eine kleine Kuppe und fliegt im hohen Bogen durch die Luft, um unsanft aufzuprallen und an einem kleinen Hang stehen zu bleiben.

Der Knall ist weniger ohrenbetäubend als gedacht und der mächtige Schwede optisch gar nicht einmal so zerstört, wie es bei den klassischen Frontal- oder Seitencrashs der Fall ist. Allerdings ist auch nicht zu erwarten, dass die Front-Seiten- oder Heckcrashstrukturen eines Fahrzeugs durch einen solchen Versuch stark beschädigt werden. Vielmehr geht es ja darum, die Belastungen der Insassen, die bei einem derartigen Unfall nicht durch Karosserieverformungen gemildert werden, aufzufangen.

Der Stunt ohne Bodenkontakt war die beeindruckendste Einlage des Geländewagens im Rahmen dieses Tests. Die Dummys an Bord haben den kleinen Ausrutscher ins Abseits recht gut überstanden. Im richtigen Leben möchte man so etwas lieber nicht nachmachen. Aber gut zu wissen, dass man es überleben dürfte – zumindest mit dem richtigen Auto.

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