Sa, 22. September 2018

Geometrische Linien

03.12.2014 10:52

Älteste menschliche Gravuren auf Java entdeckt

Auf der indonesischen Insel Java haben Wissenschaftler die bisher ältesten bekannten von Urmenschen geschaffenen geometrischen Muster entdeckt. Die Gravuren auf Muscheln seien 430.000 bis 540.000 Jahre alt, berichteten die Forscher im Fachmagazin "Nature". Die eingeritzten Linien seien damit mehr als 300.000 Jahre älter als die bisher ältesten unbestritten menschlichen Gravuren.

Ein Team um Josephine Joordens von der Universität Leiden (Niederlande) hatte Muscheln, Haizähne und andere Gegenstände aus der Sammlung Dubois des Nationalen Naturgeschichtlichen Museums Naturalis in Leiden untersucht. Der niederländische Anthropologe Eugene Dubois hatte die Stücke anno 1890 in Trinil auf Java eingesammelt, wo er bald darauf auch die ersten Knochen eines Urmenschen fand, der heute als Homo erectus bekannt ist.

Gravuren auf Muschelschalen
Bei den Muscheln fiel den Forschern auf, dass die Schalen nur von erwachsenen Tieren stammen. Es handle sich sehr wahrscheinlich nicht um eine natürliche Muschelpopulation, sondern um die Überreste von Muschelmahlzeiten. Zudem haben fast 80 Prozent der gefundenen Schalen ein Loch an jener Stelle, an der bei der lebenden Muschel ein Muskel mit der Schale verbunden ist. Die Forschergruppe folgert, dass der Homo erectus bewusst diese Stelle angebohrt hat, um die Muschel öffnen zu können und an ihr Fleisch zu gelangen.

Mehrere Muscheln zeigen zudem Spuren, die darauf hindeuten, dass sie als Werkzeuge fürs Schneiden und Schaben verwendet wurden. Eine äußere Schalenschicht weist eine Reihe von sorgfältig eingeritzten Linien auf, darunter in Form des Buchstabens M und eines spiegelverkehrten N. "Es gibt keine Lücken zwischen den Linien an den Wendepunkten, was nahelegt, dass darauf geachtet wurde, ein gleichmäßiges Muster zu schaffen", schreiben Joordens und Kollegen. Sie führten Experimente an ähnlichen Muscheln durch und demonstrierten, dass die Gravuren von einem Haizahn stammen können.

Funktion und Bedeutung noch unklar
Das Ergebnis war für die Forscher überraschend, weil bisher als wissenschaftlich gesichert galt, dass nur der moderne Mensch, Homo sapiens, in der Lage war, solch exakte Gravuren herzustellen. "Obwohl es derzeit nicht möglich ist, die Funktion oder Bedeutung der gravierten Muschel zu bewerten, weist die Entdeckung darauf hin, dass das Einritzen abstrakter Muster im Rahmen der geistigen und motorischen Fähigkeiten des asiatischen Homo erectus lag", heißt es in der Studie.

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