Di, 21. August 2018

Tierische Müllabfuhr

02.12.2014 13:00

Insekten befreien New Yorks Straßen von Abfall

Insekten und andere Krabbler spielen als Straßenreiniger eine wichtige Rolle. Wie US-Wissenschaftler bei Versuchen herausgefunden haben, schaffen die Tiere allein auf den Mittelstreifen von Broadway und West Street in New York City Essensreste in einem Umfang von jährlich etwa 60.000 Hotdogs weg und entsorgen damit wirkungsvoll Müll.

Die krabbelnde Abfallbeseitigung habe einen positiven Nebeneffekt: Je mehr Essensreste die Tiere vertilgen, desto weniger bleibe für Ratten und Tauben. Sie arbeiten somit auch als Schädlingsbekämpfer, berichteten die Forscher im Fachblatt "Global Change Biology".

Um die Rolle der Krabbler als Müllabfuhr genauer zu untersuchen, bestimmte ein Team um Elsa Youngsteadt von der North Carolina State University in Raleigh zunächst, welche Arten von Gliederfüßern in den Parks und auf den Mittelstreifen des New Yorker Stadtteils Manhattan vorkommen. Zu den Gliederfüßern zählen neben den Insekten zum Beispiel Tausendfüßer und Spinnentiere. Die Forscher maßen auch die Temperatur und Feuchtigkeit der Grünflächen sowie die Dicke der Laubschicht.

Tests mit Keks-, Chips- und Hotdog-Resten
Dann begannen sie mit dem eigentlichen Experiment: Sie verteilten Chips-, Keks- und Hotdog-Reste an ausgewählten Stellen auf den Grünflächen. An jedem Ort legten sie die Nahrungsmittel zum einen offen aus, zum anderen in einem Gitterkäfig, der nur für die kleinen Krabbler zugänglich war. Das Ganze machten sie zweimal: einmal mit kleinen Essensresten, einmal mit größeren Stücken. Nach jeweils 24 Stunden ermittelten sie, wie viel der Essensreste noch übrig waren.

Sie fanden, dass die Krabbler kleinere Essensportionen innerhalb eines Tages vollständig entsorgen konnten, größere Stücke hingegen nicht. "Wir haben errechnet, dass die Gliederfüßer allein auf den Mittelstreifen von Broadway (im Bild links) und West Street jährlich mehr als 950 Kilogramm weggeworfenes Junkfood konsumieren können - eine Arbeitspause im Winter eingerechnet", erläutert Youngsteadt. "Das ist nicht nur eine alberne Tatsache. Das zeigt eine echte Dienstleistung dieser Gliederfüßer auf. Sie entsorgen wirkungsvoll Müll für uns."

Mittelstreifen für Krabbler quasi Schnellimbiss
Überraschend war für die Forscher, dass die Krabbler der Mittelstreifen mehr Essen vertilgten als die der Parks - trotz der deutlich geringeren Artenvielfalt zwischen den Fahrbahnen. Sie erklären dies vor allem mit der weiten Verbreitung der Pflasterameise auf den Mittelstreifen. Wo immer diese vor etwa 100 Jahren nach Nordamerika eingeschleppt Art vorkomme, würden zwei- bis dreimal mehr Essensreste entsorgt als an Orten ohne sie, berichten die Wissenschaftler. Auch an heißeren und trockeneren Orten war die krabbelnde Müllabfuhr besonders effektiv. Die Art der vorkommenden Gliederfüßer und die Eigenschaften des Lebensraums spielten eine größere Rolle bei der Abfallbeseitigung als die Vielfalt unter den Krabblern.

Wenn auch Wirbeltiere wie Ratten, Vögel, Eichhörnchen und Waschbären Zugang zu den Nahrungsresten hatten, wurde insgesamt mehr davon entsorgt. Beide Gruppen konkurrierten um den Abfall, schreiben die Forscher. Was die Arthropoden verzehrten, stehe den Wirbeltieren nicht mehr zur Verfügung. Dies könne helfen, die Zahl von Wirbeltieren zu begrenzen, die Krankheiten auf den Menschen übertragen können. Urbanes Grünflächen-Management, das Ameisen vor Ratten begünstige, nutze somit der öffentlichen Gesundheit.

Selbst kleine Grünflächen sind wichtig
Der Hurrikan "Sandy", der 2012 über New York gefegt war und zu großflächigen Überschwemmungen geführt hatte, beeinträchtigte die Abfallbeseitigung durch die Gliederfüßer nicht messbar, so ein weiteres Resultat der Studie. Ihre Ergebnisse verdeutlichten den Wert, den selbst kleine Grünflächen in urbanen Räumen besitzen, schreiben die Forscher.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.

Nachrichten aus meinem Bundesland
Die Bekanntgabe Ihres Bundeslandes hilft uns, Sie mit noch regionaleren Inhalten zu versorgen.