Einsturz verhindert

¿Wir haben am ganzen Körper gezittert¿

In Kopfing, einem der Zentren des Schneechaos, organisierte Bürgermeister Otto Straßl nachts um 2 Uhr eine vorbildhafte Rettungsaktion: Das Hausdach von Martina Huemer (36) war unter einer Schneelast von zwei Metern akut einsturzgefährdet. Fünf Menschen flüchteten vor dem berstenden Dachstuhl.

„Lautes Knacksen am Dach“ holte Martina Huemer und ihren Lebensgefährten aus dem Schlaf. Die Angestellte erkannte den Ernst der Lage, weckte ihre Tochter Melanie (13), deren Freundin Tanja und die Oma. Sie brachte die Kinder zu ihrem benachbarten Bruder und wählte den Notruf. Weil die Straße zu dem ehemaligen Bauernhaus völlig verschneit war, konnte vorerst kein Feuerwehrfahrzeug hinfahren. Bürgermeister Otto Straßl zögerte nicht lange: „Ich bin mit Feuerwehrleuten in meinem Allradwagen vorgefahren und habe zwei Schneepflüge organisiert.“

Die später eintreffenden Einsatzkräfte fanden eine gefährliche Situation vor: Der starke Wind hatte den Schnee auf einer Seite des Daches zwei Meter hoch aufgetürmt. Durch das Ungleichgewicht drohte der Dachstuhl auf die alte Holztramdecke zu stürzen. „Wir sind vor dem Haus gestanden, haben am ganzen Körper gezittert und gebetet, dass das Haus nicht einstürzt“, erzählt Martina Huemer von der dramatischen Nacht. Vier Stunden lang befreiten Freiwillige Feuerwehrmänner aus Kopfing und Schärding das Dach von der tonnenschweren Schneelast.

Unzählige Hausbesitzer bangen noch um ihr Hab und Gut, warten auf die Einsatzkräfte: In Kopfing (Bezirk Schärding) allein sind 70 gefährdete Dächer zum Abschaufeln gemeldet. Das Haus eines Pensionisten im Ortskern wurde bereits behördlich gesperrt, weil die Mauer Risse hat.

 

 

 

Foto: Erich Petschenig

Freitag, 07. Mai 2021
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