Mo, 20. August 2018

Verliebt in Girl

22.10.2014 14:55

"Coming In": Der Schwule und das Mauerblümchen

Wie ein Model auf dem Laufsteg stolziert er durch seinen Berliner Hochglanz-Salon, Küsschen hier, Küsschen da. Tom Herzner (Kostja Ullmann) ist ein heiß begehrter Starfriseur, fast schon ein Dressman. Und brav geoutet hat sich der schwule Beau auch schon. Jetzt gilt er als Galionsfigur der Szene.

Als sein Freund und Manager Robert (Ken Duken) den feschen Friseur zu Studienzwecken in einen piefigen Kiez-Salon ins multikulturelle Neukölln schickt, verliebt sich der coole Tom allerdings unsterblich in die chaotische Friseurin Heidi (Aylin Tezel). Liebe geht seltsame Wege.

Der 1977 in Rosenheim geborene Regisseur Marco Kreuzpaintner feierte 2004 mit dem sensiblen Coming-out-Drama "Sommersturm" seinen Durchbruch. Damals spielte bereits Kostja Ullmann neben Robert Stadlober eine der Hauptrollen. Mit "Coming In" (Kinostart: 24. Oktober) hat Kreuzpaintner nun eine romantische, etwas harmlose Komödie inszeniert, die vom Charme der Protagonisten lebt, aber nicht ohne Schwulen-Klischees auskommt.

"Neukölln? Warum nicht gleich Afghanistan?" Sarkastisch kommentiert Tom seine "Versetzung" ins prollige "Bel Hair". Er soll herausfinden, welche Shampoos Frauen mögen. Also verwandelt sich der geschniegelte Tom in den kumpelhaften Horst mit blond gefärbtem Pony und rotem Fußballtrikot - ein Pfundskerl am Lockenwickler, der auch schon einmal ein Moped frisiert. Die Frauen lieben ihren Horst, besonders Salonbesitzerin Heidi. Nur Toms Freunde aus der Schwulenszene sind schockiert.

Und jetzt kommen auch die Klischees. Charakterdarsteller August Kirner läuft als Herausgeber der Schwulen-Postille "Andersrum" in lustigen bunten Hemden und karierten Hosen durch den Film, stets ein Gläschen Sekt an den Lippen. Sein Freund Harry (Andre Jung) ist der politisch korrekte, väterliche Typ, während der Draufgänger Sam (Bruno Eyron) jede Nacht mit einem anderen Kerl ins Bett steigt.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Wirklich originell ist die Filmidee vom bekehrten Schwulen nicht. So lief in Italien die Homo-Hetero-Romanze "Mal was anderes?" unter ähnlichen Vorzeichen. Regisseur Marco Kreuzpaintner besetzt die Großstadt-Comedy zwar launig - Aylin Tezel, jüngste "Tatort"-Ermittlerin aller Zeiten, gibt die kesse Friseuse, in weiteren Rollen amüsieren Katja Riemann oder August Zirner -, setzt aber auf flapsigen Schenkelklopferhumor. Überwärmter Klischee-Overkill unter der Trockenhaube statt charmanten Wortwitzes.

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