Mi, 20. Juni 2018

Willendorf-Sensation

23.09.2014 09:37

Wachau: Älteste Spuren moderner Menschen entdeckt

Der moderne Mensch kam schon vor 43.500 Jahren in Europa an, wie österreichische Archäologen mit Kollegen anhand von Ausgrabungsfunden in Willendorf (Niederösterreich) herausfanden. Das ist ein paar Tausend Jahre früher als bisher angenommen. Damals gab es in der Wachau Nadelwälder in einer Kaltsteppe, und es war für eiszeitliche Verhältnisse recht mild, berichten die Forscher im Fachjournal "Pnas".

Durch das frühe Auftauchen der modernen Menschen sei die Zeitspanne größer, in der sie sich den Kontinent mit den Neandertalern teilten, so Bence Viola, der die Arbeit am Department für Anthropologie der Universität Wien und dem Max-Planck-Institut für Anthropologie in Leipzig durchführte. "Wir wissen, dass sie sich vermischt haben, denn alle heutigen Menschen außerhalb Afrikas tragen eineinhalb bis drei Prozent Neandertaler-DNA."

Nach den neuen Daten hatten sie dafür mindestens 3.500 Jahre Zeit, denn die Neandertaler verschwanden nach dem derzeit aktuellen Wissen vor etwa 40.000 Jahren, erklärte der Anthropologe. Bis jetzt hatten verschiedene Wissenschaftler die Ankunft der modernen Menschen frühestens vor 41.500 oder vor knapp 40.000 Jahren vermutet.

Lamellen-Werkzeuge gefunden
Die Forscher haben bei Grabungen zwischen 2006 und 2011 an einer Fundstelle in Willendorf für moderne Menschen charakteristische Lamellen-Werkzeuge in einer Bodenschicht gefunden, die sie als 43.500 Jahre alt identifizierten. An diesem Platz war 1908 auch die berühmte, allerdings viel jüngere, rund 25.000 Jahre alte "Venus von Willendorf"-Statuette entdeckt worden.

Lamellen sind kleine Steinartefakte, die bis zu einem Zentimeter breit und manchmal mehrere Zentimeter lang sind und wahrscheinlich Teile von Jagdwaffen waren, so der Leiter der Studie, Philip Nigst, vom Department of Archeology and Anthropology der Universität Cambridge. Die in Willendorf gefundenen Lamellen seien typisch für eine Epoche der jüngeren Altsteinzeit, dem sogenannten Aurignacien.

Größere Genauigkeit erzielt
Das damalige Klima und die Vegetation konnten die Forscher anhand unterschiedlicher Bodenanalysen herausfinden. Einerseits wurden der Bodentyp und die Bodenmorphologie charakterisiert, andererseits könne man auch durch die Zusammensetzung der Arten und Unterarten von Schnecken, deren Häuser in dieser Schicht vergraben sind, das Klima rekonstruieren, erklärte er. Dadurch habe man eine viel größere Genauigkeit erreicht als nur mit C14-Datierungen, die mit bekannten Paläoklimadaten korreliert werden.

"Auf diese Art hätten wir nicht gewusst, in welcher von drei bis vier Warm- oder Kaltphasen der Eiszeit unser Fund liegt", sagte er. Erst die zusätzlichen Informationen würden den Zeitabschnitt so weit einengen, dass man sagen könne: Die ersten modernen Menschen siedelten hier am Beginn einer warmen Phase innerhalb der Eiszeit, als hier eine Tundra-artige Steppe mit lichten Nadelwäldern war, so der Archäologe.

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