Fr, 22. Juni 2018

"Erschütternd"

30.07.2014 10:02

NGO-Helferin: "Zustände im Südsudan ein Albtraum"

"Einfach erschütternd": So bezeichnet die Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Care, Sandra Bulling, die Situation in dem afrikanischen Krisenstaat Südsudan, aus dem sie erst kürzlich zurückgekehrt ist. "Die meisten Flüchtlingslager sind ein Brutherd für Krankheiten, da die hygienischen Zustände ein Albtraum sind", berichtete die Deutsche am Mittwoch.

Seit der Eskalation der Gewalt im jüngsten Staat der Welt sind rund 1,5 Millionen Menschen vertrieben worden - davon 400.000 über die Landesgrenze in Nachbarländer, besonders nach Äthiopien und Uganda. "Der militärische Konflikt fokussiert sich vor allem auf die nördlichen Regionen Upper Nile, Unity und Jonglei", erklärte Bulling. Laut jüngsten Schätzungen der Vereinten Nationen werden bald 3,5 Millionen Menschen von Nahrungsknappheit betroffen sein - es droht eine riesige Hungerskatastrophe.

"Es ist kaum Infrastruktur vorhanden"
Bulling besuchte die nördlich Stadt Bentiu und reiste durch die Region Uror, wo sie auch in einem Flüchtlingslager war. "Die UNO und NGOs sind zwar stark vertreten, allerdings sind die Hilfsmaßnahmen im Land eine sehr aufwendige logistische Herausforderung, da kaum Infrastruktur vorhanden ist", so die Helferin. Weil Straßen schlecht befahrbar seien, finde die Versorgung vor allem per Flugzeug statt, wodurch ein enormer Kostenaufwand entstehe.

Der Südsudan sei sehr stark auf internationale Hilfe angewiesen. "Der ethnische Konflikt, die derzeitige Regenzeit und die drohende Hungerskatastrophe erschweren die Situation enorm", erklärte Bulling. Bei einer Geberkonferenz für den Südsudan im Mai in Oslo seien 1,3 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern versprochen worden, "angekommen ist von diesen zugesagten Geldern aber lediglich die Hälfte", kritisierte sie.

Flüchtlingslager als "riesige Kloake"
Es bestehe derzeit auch die große Gefahr, dass sich eine Epidemie im Land ausbreite - was vor allem auf die gegenwärtige Regenzeit zurückzuführen ist. Vereinzelt seien Cholera-Fälle aufgetreten. "Es war, als würde man durch eine riesige Kloake laufen", zeigte sich Bulling besorgt über die Zustände im Flüchtlingslager. Die NGOs seien stark auf Spenden von außen angewiesen, um ihre Hilfeleistungen aufrechterhalten zu können. Lichtblicke gebe es im Land derzeit kaum, es gelte das Prinzip der Hoffnung.

Trotz eines im Mai unterzeichneten Friedensabkommens zwischen Präsident Salva Kiir und seinem Widersacher Riek Machar kommt der Südsudan nicht zur Ruhe. Die blutigen Übergriffe seit mehr als sechs Monaten haben auch ethnische Hintergründe: Kiir gehört der Volksgruppe der Dinka an, Machar jener der Nuer. Im Dezember war ein Machtkampf zwischen den beiden Politikern eskaliert. Hinter dem Konflikt steht aber auch ein Streit über die Ölfelder in der umstrittenen Region Abyei zwischen dem Sudan und dem Südsudan.

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