Mi, 20. Juni 2018

Massengrab vermutet

27.07.2014 12:25

Hunderte Menschenskelette in Anden entdeckt

Bei Bauarbeiten in den bolivianischen Anden ist ein Massengrab entdeckt worden, in dem die sterblichen Überreste von Hunderten eingeborenen Bergleuten liegen sollen. Die Bergleute hatten vermutlich während der spanischen Kolonialzeit als Sklaven und Knechte geschuftet.

Sie seien in einem knapp zwei Meter tiefen Erdloch verscharrt worden, sagte der Forscher Sergio Fidel von der staatlichen Universität Tomas Frias am Samstag. Der Fundort befinde sich im Einzugsgebiet der Gebirgsstadt Potosi, die auf 4.000 Meter Höhe liegt.

Sterblichen Überreste einfach auf einen Haufen geworfen
Fidel zufolge wurden die über eine Fläche von 16 Quadratmetern verstreuten Skelette diese Woche entdeckt, als Bauarbeiter mit der Konstruktion eines neuen Gebäudes in Potosi beginnen wollten. Die Universität schaltete sich schließlich ein, nachdem die sterblichen Überreste auf einen Haufen geworfen und ungeschützt liegen gelassen worden waren, während die Bauarbeiten weiterliefen. Augenzeugen wollen 400 bis 500 Skelette gezählt haben, vielleicht sogar noch mehr.

Während der spanischen Kolonialzeit kam Potosi durch seine reichen Silber- und Zinnvorkommen zu Berühmtheit, die ab dem 16. Jahrhundert besonders um den Berg Cerro Rico herum ausgebeutet wurden. Die Arbeitskräfte wurden seinerzeit vor allem aus dem Andenvolk der Aymara rekrutiert, ihr Dienst unter Tage war gefährlich und - wenn überhaupt - schlecht vergütet.

Massengrab oder doch Unglücksstelle?
Experten halten es theoretisch auch für möglich, dass es sich bei dem Fund nicht um ein ausgehobenes Massengrab, sondern um eine Unglücksstelle handelt. Demnach könnten die menschlichen Überreste auch von einem Grubeneinsturz im 17. Jahrhundert herrühren. Damals kamen rund 2.000 Menschen ums Leben.

Potosi gehörte einst zu den größten Städten der Welt, hat heute aber nur noch etwa 200.000 Einwohner. Wegen des "unkontrollierten Bergbaus" in der Region wurden Potosi und der Cerro Rico im vergangenen Monat zum geschützten Unesco-Weltkulturerbe erklärt.

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