Di, 19. Juni 2018

Experte im Interview

18.07.2014 16:49

Flug über Ukraine: "Da will man sparen, was geht"

"Sie sollten verdammt noch mal nicht fliegen. Hier herrscht Krieg" - diese Worte will der ukrainische Geheimdienst aus einem Telefongespräch prorussischer Separatisten abgefangen haben, nachdem diese angeblich entdeckten, dass sie die zivile Maschine der Malaysia Airlines abgeschossen hatten. Warum überhaupt über das Krisengebiet geflogen wurde, beantwortet ein Luftfahrtexperte im krone.tv-Interview so: "Da will man sparen, was geht." Gerade die Malaysia Airlines seien hier ziemlich unter Druck - dennoch habe man mit "so einer Eskalation nicht rechnen können".

"Es ist eigentlich tagtäglich im Luftfahrtgeschäft, dass wir uns irgendwo in Krisengebieten befinden. Aber diesen Bereich haben viele Fluglinien dennoch gemieden. Leider Gottes war die Malaysia Airlines zum falschen Zeitpunkt am falschen Platz", erklärte Luftfahrtexperte Kurt Hofmann, der mit seinem Consultingunternehmen Fluglinien und Flugzeughersteller berät. Die Ukraine sei jedenfalls bisher ein wichtiger Transitkorridor für West-Ost-Verbindungen gewesen und von mehreren Airlines genutzt worden. Generell würde aber keine Fluglinie der "westlichen Welt mit der Sicherheit spielen", so Hofmann (siehe auch Video oben).

Keine Konsequenzen trotz Abschuss von Militärjet
Dennoch häuft sich mittlerweile die Kritik an den verantwortlichen Stellen: Am Montag schon wurde ein ukrainisches Militärflugzeug abgeschossen, vermutlich von prorussischen Separatisten. Dennoch zogen weder die europäische Flugaufsicht Eurocontrol noch der Verband der Fluggesellschaften IATA oder die Airlines selbst Konsequenzen - der Luftraum über der Ukraine wurde nicht zum Sperrgebiet erklärt.

In zehn Kilometern Reiseflughöhe sei ein Flugzeug nicht in Gefahr, auch wenn am Boden gekämpft wird, so die bisherigen Beschwichtigungen. So erklärt auch Malaysia Airlines, sie trage keine Mitschuld. Man sei schließlich einer von IATA freigegebenen Route gefolgt. Um den Verantwortlichen zu finden und juristische Schritte einzuleiten, müsse nun aber "jeder Stein umgedreht werden".

Sparen wichtiger als Sicherheit?
Dass Krisenherde und Kriegsgebiete nicht generell umflogen werden, ist schnell erklärt: Jeder Umweg kostet Fluglinien Zeit und vor allem viel Geld. Ohnehin unter extremem finanziellen Druck - viele knapp vor der Pleite oder einer feindlichen Übernahme - scheint Sicherheit weniger wichtig, als immer noch mehr Sitze in Flugzeuge zu quetschen und für immer noch mehr Dienste Extra-Entgelte einzufordern.

Manche Vorsichtsmaßnahmen, die mehr Sicherheit bringen könnten, werden hingegen ignoriert. So streitet die Branche etwa seit Jahren über Online-Blackboxen, die kontinuierlich Daten funken - damit hätte möglicherweise auch das spurlose Verschwinden des Malaysia-Airlines-Flugs MH370 verhindert werden können oder man wüsste wenigstens, wo man nach der Maschine suchen soll. Auch gibt es keine verbindlichen Regelungen, ob und wann Luftraum zur Verbotszone für zivile Flieger erklärt wird.

Boden-Luft-Raketen würde ein Pilot in normalen Flugzeugen jedenfalls nicht ohne Weiteres erkennen können, wie auch der Experte im krone.tv-Interview erklärt. Seines Wissens nach hätten nur einige Maschinen der israelischen El Al oder auch Spezialflugzeuge wie die Air Force One dementsprechend kostspielige Erkennungssysteme an Bord.

Airlines umfliegen Ukraine nun doch
Zumindest vorerst gibt es nun aber doch Konsequenzen: Die Flugaufsicht Eurocontrol hat eine Warnung ausgesprochen, den Luftraum über der Ukraine zu meiden. Praktisch alle Fluglinien, die nicht direkt in die Ukraine fliegen, haben ihre Routen entsprechend geändert, wie auf der Landkarte der Website Flightradar24.com eindeutig zu sehen ist (siehe Infobox).

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