16.01.2006 21:17 |

Steine vs. Tränengas

Europaweite Proteste gegen Hafenrichtlinie

Während einer grenzübergreifenden Streikaktion europäischer Hafenarbeiter ist es vor dem Europäischen Parlament in Straßburg zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der französischen Polizei gekommen. Die Demonstranten protestierten gegen die von der EU-Kommission geplante Liberalisierung von Hafendienstleistungen.

Erboste Hafenarbeiter warfen Steine, Eisenstangen und anderes auf die Polizisten, die ihrerseits Tränengas und Wasserwerfer einsetzten. Nach Angaben der Behörden wurden 15 Polizisten verletzt, fünf davon wurden ins Spital eingliefert. Mehr als 6.000 Hafenarbeiter nahmen an der Kundgebung teil; 13 gewalttätige Demonstranten wurden vorübergehend festgenommen.

Die Hafenarbeiter protestieren seit Tagen gegen eine neue EU- Richtlinie, der zufolge die Reeder eigene Firmen mit den Ladearbeiten betrauen können. Bisher dürfen das nur die in den Häfen ansässigen Unternehmen. Eine Koalition aus Sozialisten, Kommunisten und Liberalen im Europäischen Parlament wird am Mittwoch voraussichtlich gegen die von den Reedereien unterstützte Richtlinie stimmen.

Viele Häfen Europas lahmgelegt
Allein in Rotterdam, dem nach Umschlag größten Hafen Europas, schlossen sich nach Angaben der niederländischen Gewerkschaft FNV rund 600 Hafenarbeiter einem vierstündigen Ausstand an. In Antwerpen im benachbarten Belgien legte der Streik den nach Umschlag zweitgrößten Hafen Europas lahm.

Im spanischen Barcelona, das einen wichtigen Hafen für das Abfertigen von Kreuzfahrtschiffen sowie den Transport von Gütern und Flüssiggas unterhält, kamen die Verladearbeiten ebenso zum Erliegen wie in Tarragona, dem größten Getreidehafen des Landes. In Griechenland legten nach Angaben des Ministeriums für Handelsschifffahrt alle Arbeiter der großen Häfen Piräus, Thessaloniki und Heraklion auf Kreta für 24 Stunden die Arbeit nieder. Auch Hafenarbeiter in Schweden, Dänemark und Portugal schlossen sich dem Protest an.